Der weltweite Wohlstand wächst einer Studie des McKinsey Global Institute (MGI) zufolge schneller als die Wirtschaftsleistung. Die globale Bilanz erhöhte sich 2025 auf insgesamt 1800 Billionen Dollar, nach rund 1700 Billionen Dollar im Vorjahr. Davon entfielen rund 620 Billionen Dollar auf Realwerte wie Immobilien und Infrastruktur und 570 Billionen Dollar auf das Vermögen privater Haushalte. Nur 20 Prozent des Vermögenszuwachses beruhten jedoch auf realwirtschaftlichen Investitionen. Das Gros seien reine Bewertungsgewinne, etwa durch steigende Aktienkurse. Damit steige die Gefahr von Korrekturen an den Märkten.
Europa: Starke Bilanz, schwache Investitionen
Europa verfügt im internationalen Vergleich über eine robuste Bilanz, bleibt aber bei Investitionen zurück. Die Nettoinvestitionen in produktives Kapital liegen bei nur etwa zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) und damit halb so hoch wie in den USA. „Europa ist reich an Vermögen und arm an Investitionen“, sagte Jan Mischke, Partner beim MGI und Autor der Studie. Während in den USA die Aktienbewertungen stark gestiegen seien und China hohe Schulden aufnehme, zeige sich Europa stabiler. „Europa steht bilanziell deutlich besser da als die USA oder China und muss nun daran arbeiten, dass Investitionen und Produktivitätswachstum nachziehen.“
Deutschland: Solide Bilanz, aber produktive Nettoinvestitionen nahe null
Besonders deutlich ist der Befund für Deutschland. Europas größte Volkswirtschaft ist der Studie zufolge bilanziell solide aufgestellt: Die Verschuldung privater Haushalte ist niedrig, die Staatsverschuldung moderat und das Netto-Auslandsvermögen beträgt fast 90 Prozent des BIP. Gleichzeitig schrumpften die produktiven Nettoinvestitionen, die nach Abschreibungen übrig bleiben und tatsächlich in Infrastruktur, Maschinen und geistiges Eigentum fließen, jedoch fast auf null. Das reale Vermögen der Haushalte ging 2025 zurück, vor allem wegen sinkender Immobilienwerte.
Investitionslücke gefährdet künftiges Wachstum
„Bilanzielle Stärke allein reicht nicht aus“, sagte Mischke. „Sie muss sich auch in Investitionen in Infrastruktur, Maschinen, digitale Wertschöpfung oder Ideen wiederfinden, damit Einkommen und Vermögen wachsen können.“ Die Analyse des MGI zeigt, dass Europa zwar über beträchtliche Vermögenswerte verfügt, diese aber nicht ausreichend in produktive Investitionen umgesetzt werden. Dies gefährde langfristig das Wirtschaftswachstum und die Wettbewerbsfähigkeit.



