Griechenlands Tourismusboom: Zentralbank warnt vor Klimawandel und Übertourismus
Griechenlands Tourismusboom: Zentralbank warnt vor Risiken

Griechenland verbucht Jahr für Jahr neue Rekorde bei Urlauberzahlen und Tourismuseinnahmen. Doch die Erfolgsgeschichte hat eine Kehrseite: Die griechische Zentralbank warnt in ihrem jüngsten Bericht zur Geldpolitik, dass Klimawandel, Übertourismus und die wachsende Abhängigkeit der Volkswirtschaft vom Fremdenverkehr zu einem Risiko werden könnten.

Zentralbank sieht Gefahren für die Wirtschaft

Die Notenbank mahnt, dass die Konzentration auf den Tourismus die griechische Wirtschaft anfällig mache. Sollte die Nachfrage ausbleiben – etwa aufgrund von Klimafolgen oder einer globalen Rezession – drohten massive Einbußen. Besonders problematisch sei die Lage auf beliebten Inseln wie Santorini, Mykonos oder Kreta, wo die Besucherströme die Infrastruktur überlasten.

Bereits heute ist der Tourismus für rund 25 Prozent des griechischen Bruttoinlandsprodukts verantwortlich – ein im EU-Vergleich extrem hoher Wert. Die Zentralbank fordert daher eine stärkere Diversifizierung der Wirtschaft und nachhaltigere Tourismuspraktiken.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Klimawandel bedroht Küsten und Inseln

Ein weiterer Risikofaktor ist der Klimawandel. Steigende Temperaturen, häufigere Hitzewellen und der Anstieg des Meeresspiegels könnten viele Strände und touristische Hotspots unbewohnbar machen. Schon jetzt leiden griechische Regionen unter Wasserknappheit und Waldbränden, die auch Urlaubsgebiete betreffen.

Die ehemalige Tourismusministerin Olga Kefalogianni warnte ebenfalls vor den Folgen: „Das bisherige Modell des Massentourismus stößt an seine Grenzen. Wir müssen umsteuern, um die natürlichen Ressourcen und die Attraktivität Griechenlands langfristig zu sichern.“ Sie plädiert für eine gezielte Lenkung der Touristenströme und Investitionen in nachhaltige Infrastruktur.

Wirtschaftliche Abhängigkeit wächst

Die Tourismuseinnahmen erreichten 2023 mit über 20 Milliarden Euro einen neuen Höchststand. Doch die Kehrseite: Andere Wirtschaftszweige wie die Landwirtschaft oder die Industrie verlieren an Bedeutung. Die Pandemie habe gezeigt, wie anfällig das Land sei, als die Einnahmen 2020 um mehr als 75 Prozent einbrachen.

Experten fordern daher eine Abkehr vom reinen Wachstumskurs. Statt immer mehr Gäste anzuziehen, solle Griechenland auf Qualitätstourismus setzen und die Aufenthaltsdauer sowie die Ausgaben pro Gast erhöhen. Auch eine stärkere Besteuerung von Kurzzeitvermietungen wie Airbnb wird diskutiert.

Lokale Bevölkerung leidet unter Übertourismus

Auf den Inseln macht sich zunehmend Unmut breit. Die Einwohner von Santorini beklagen überfüllte Gassen, explodierende Mietpreise und eine Überlastung der Abwasser- und Stromnetze. Die Zentralbank warnt, dass dies langfristig die Lebensqualität und die Attraktivität der Reiseziele mindere.

Um dem entgegenzuwirken, haben einige Inseln bereits Obergrenzen für Kreuzfahrtschiffe eingeführt. Die Regierung in Athen prüft zudem eine Tourismusabgabe, die in Nachhaltigkeitsprojekte fließen soll. Ob dies ausreicht, bleibt fraglich.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration