Ifo-Chef Fuest: Deutschland droht verlorene Dekade bei Investitionen
Ifo-Chef Fuest: Verlorene Dekade bei Investitionen

Die deutsche Wirtschaft steckt in einer Investitionskrise. Ifo-Präsident Clemens Fuest sieht dringenden Handlungsbedarf, um das Land aus dem Konjunkturtal zu führen. Auf einer Veranstaltung des OECD Berlin Centre betonte der Top-Ökonom, dass trotz milliardenschwerer Staatsausgaben die Investitionsbereitschaft sowohl öffentlicher als auch privater Akteure unzureichend sei.

Milliardenschwere Pakete mit schwachem Effekt

Fuest verwies auf das umfangreiche Paket zur Stärkung von Infrastruktur, Klimaneutralität und Verteidigung. Der Staat habe bereits viel Geld in die Hand genommen. „Wir würden uns wünschen, dass das jetzt wirklich in öffentliche Investitionen fließt, denn die haben einen starken Konjunktureffekt“, sagte er. Allerdings würden viele Mittel in konsumtive Ausgaben umgeleitet – also Ausgaben für laufende Betriebskosten statt langfristigen Vermögensaufbau. Beim Kernhaushalt der Bundesregierung gelte es, Investitionen zu stabilisieren: „Da muss noch mehr passieren“, forderte Fuest.

Rüstungsboom als Lichtblick

Ein Bereich, in dem derzeit Hochkonjunktur herrsche, sei die Rüstungsindustrie. Fuest berichtete von zunehmenden Aufträgen und einer wachsenden Zahl von Startups in diesem Sektor. „Wenn man bei den öffentlichen Investitionen noch ein bisschen mehr drauflegt und wenn sich auch im Rüstungsbereich die Unternehmen entwickeln und eine gewisse Dynamik entsteht, ist das eine Stütze für die Konjunktur.“ Dennoch könne dieser Boom allein die Investitionslücke nicht schließen.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Private Investitionen auf Niveau von 2015

Besorgniserregend sei der Rückgang privater Investitionen, die eigentlich das Wirtschaftswachstum antreiben sollten. Laut Fuest befinden sie sich auf dem Niveau von 2015. „Wir haben eine verlorene Dekade hinter uns und sind mitten in einem wirtschaftlichen Niedergang, in dem sich private Investitionen immer mehr zurückziehen“, warnte er. Deshalb sei es die wichtigste Aufgabe, hier für eine Belebung zu sorgen. Steigende Lohneinkommen böten zwar Potenzial für mehr Konsum, doch ohne Investitionen bleibe die Wirtschaft schwach.

Konjunktur leicht aufgehellt

Das Bundeswirtschaftsministerium sieht zur Jahresmitte eine leichte Aufhellung des Konjunkturbildes. Jüngste Indikatoren deuteten auf eine vorsichtige wirtschaftliche Stabilisierung hin. Im ersten Quartal wuchs die Wirtschaft um 0,3 Prozent, gestützt vor allem durch steigende Exporte. Die Unsicherheit über den Konflikt im Nahen Osten bleibe jedoch hoch. Fuest betonte, dass binnenwirtschaftliche Impulse entscheidend seien, um die Abwärtsspirale zu durchbrechen und die Investitionstätigkeit wieder anzukurbeln.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration