Industrieverluste am Arbeitsmarkt geringer als angenommen
Industrieverluste geringer als angenommen

Der Rückgang der Industriebeschäftigung in Deutschland ist einer neuen Studie zufolge deutlich weniger dramatisch als bislang angenommen. Zwischen 1975 und 2019 verschwanden zwar rund 1,5 Millionen produktionsnahe Arbeitsplätze im Verarbeitenden Gewerbe, wie das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) mitteilt. Gleichzeitig entstanden jedoch mehr als eine Million vergleichbare Stellen bei Dienstleistern. Damit wurden etwa zwei Drittel der weggefallenen Industriearbeitsplätze durch ähnliche Tätigkeiten im Servicesektor ersetzt. Der Nettoverlust produktionsnaher Arbeitsplätze summiert sich demnach auf rund eine halbe Million innerhalb von 45 Jahren.

Dienstleistungssektor als Auffangbecken?

Die Studie der DIW-Ökonomen Thilo Kroeger und Dominik Boddin von der Bundesbank zeigt, dass der Dienstleistungssektor keineswegs nur ein Sammelbecken für gering qualifizierte Tätigkeiten ist. „Der Dienstleistungssektor ist kein einheitliches Auffangbecken für gering bezahlte Tätigkeiten“, schreiben die Autoren. „Er umfasst auch wissensintensive und produktionsnahe Bereiche.“ Dazu zählen etwa IT, Qualitätskontrolle, Design, Analytik, Logistik, Wartung, technische Planung und andere ausgelagerte Funktionen industrieller Wertschöpfung.

Einkommensverluste bei Jobwechsel oft gering

Für viele Beschäftigte fallen die Einkommensverluste bei einem Arbeitsplatzwechsel gering aus, sofern sie ihre beruflichen Kompetenzen weiter anwenden können. Die Autoren empfehlen, Weiterbildung und Vermittlung gezielt zu nutzen, um Beschäftigten mit Produktionserfahrung zu helfen, ihre Fähigkeiten einzusetzen, statt in fachfremde Tätigkeiten zu wechseln, in denen die Einkommensverluste deutlich größer sind. „Man sollte nicht versuchen, Branchen und Arbeitsplätze in Branchen zu erhalten“, sagte DIW-Experte Kroeger. Stattdessen sollten betroffene Arbeitnehmer in verwandte Berufe mit vergleichbaren Aufgaben weitervermittelt werden – „unabhängig davon, welche Branchen das sind“.

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Aktuelle Entwicklung: Industriebeschäftigung auf Zehnjahrestief

Der Abbau von Industriejobs hat sich in den vergangenen Jahren fortgesetzt – auch wegen der stärkeren Konkurrenz aus China und höherer US-Zölle. Einer Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) zufolge ist die Zahl der Beschäftigten in der Industrie 2025 auf ein Zehnjahrestief von 6,6 Millionen gefallen. Diese Entwicklung unterstreicht die Bedeutung der Dienstleistungsbranche als Arbeitgeber, zeigt aber auch die Herausforderungen für betroffene Arbeitnehmer.

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