IHK warnt: Rhein-Niedrigwasser gefährdet Wirtschaftswachstum in NRW
Niedrigwasser des Rheins bedroht Wirtschaftswachstum

Das Niedrigwasser des Rheins hat nach Einschätzung der Industrie- und Handelskammern (IHK) Nordrhein-Westfalens erhebliche Folgen für die Wirtschaft. „Auf dem Rhein fahren die Schiffe ja immer mit etwas Wasser unter dem Kiel, und wenn kein Wasser mehr da ist, wird es schwierig für Schifffahrt und Industrie“, sagte Ocke Hamann, fachpolitischer Sprecher für Verkehr und Mobilität der IHK NRW, dem WDR. Derzeit könnten die Schiffe zum Teil nur noch ein Fünftel der üblichen Ladung mitnehmen.

Aktuelle Pegelstände alarmierend

Die Pegelstände entlang des Rheins sind zurzeit sehr niedrig. In Duisburg-Ruhrort zum Beispiel wurden am Montagmorgen 173 Zentimeter gemessen – nur 20 Zentimeter mehr als der niedrigste bekannte Wasserstand von 153 Zentimetern, der dort im Oktober 2018 gemessen wurde. Diese Nähe zum historischen Tiefstand verdeutlicht die Dringlichkeit der Lage. Bereits jetzt müssen viele Schiffe ihre Frachtmenge drastisch reduzieren, was die Transportkosten in die Höhe treibt und Lieferketten belastet.

Auswirkungen auf die Industrie

Als Erstes merke das die Industrie, die auf die Versorgung mit Grundstoffen und Vorprodukten angewiesen sei. „Insbesondere Stahl, Chemie, Mineralölprodukte werden auf dem Rhein transportiert, Futtermittel“, sagte Hamann. Das seien schwere Ladungen, bei denen die Schiffe tief einsänken. Für die Unternehmen sei das Problem mit dem wenigen Wasser zwar nicht neu – extrem sei aber, dass es so früh im Jahr auftrete. Normalerweise treten Niedrigwasserperioden erst im Spätsommer oder Herbst auf, doch dieses Jahr zeigt der Rhein bereits im Juli kritische Werte.

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Die rheinnahe Industrie ist in hohem Maße auf den Wassertransport angewiesen. Viele Werke der Stahl- und Chemieindustrie haben keine ausreichenden Alternativen zur Binnenschifffahrt. Zwar könnten teilweise Bahn und Lkw einspringen, doch deren Kapazitäten sind begrenzt und die Kosten deutlich höher. Hinzu kommt, dass viele Häfen und Anlandestellen nur für Schiffe ausgelegt sind, sodass Umladungen auf andere Verkehrsträger oft nicht effizient möglich sind.

Historischer Vergleich und wirtschaftliche Folgen

Hamann verwies auf eine historische Niedrigwasser-Phase vor acht Jahren: „2018 hat das Weltwirtschaftsinstitut in Kiel alleine durch das Niedrigwasser einen Rückgang im Wachstum von 0,4 Prozentpunkten ermittelt.“ Die Bundesregierung erwarte für dieses Jahr ganze 0,5 Prozent Wachstum, sagte der IHK-Vertreter. „Das heißt, dieses von der Bundesregierung eingeplante Wachstum kann innerhalb von wenigen Tagen schon pulverisiert werden.“ Mit anderen Worten: Das Niedrigwasser droht nahezu das gesamte für 2026 prognostizierte Wirtschaftswachstum zu vernichten.

Der Rhein ist eine der wichtigsten Wasserstraßen Europas. Ein großer Teil des deutschen Außenhandels, insbesondere mit schweren Gütern, wird über den Rhein abgewickelt. Wenn die Schifffahrt eingeschränkt ist, geraten nicht nur Unternehmen in NRW unter Druck, sondern die gesamte deutsche Wirtschaft. Die IHK fordert daher langfristige Maßnahmen zur Anpassung an häufigere Niedrigwasserereignisse, etwa den Ausbau von Umschlaganlagen und die Förderung von flachgehenden Schiffen.

Bislang bleibt unklar, wie sich die Wetterlage in den kommenden Wochen entwickeln wird. Sollte der Regen ausbleiben, könnten die Pegel weiter sinken und die Schifffahrt zeitweise ganz zum Erliegen kommen. Die Unternehmen bereiten sich bereits auf diese Möglichkeit vor, indem sie Lagerbestände aufstocken und alternative Transportrouten prüfen. Doch der Spielraum ist eng, wie Hamann betont: „Irgendwann hilft auch das beste Krisenmanagement nicht mehr, wenn das Wasser fehlt.“

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