Der renommierte US-Börsenexperte Markus Koch sieht wachsende Belastungsfaktoren für die Wall Street. In einem Interview mit Handelsblatt Live nannte er steigende Ölpreise, anziehende Anleiherenditen und die zunehmende Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung durch die US-Notenbank Fed als Hauptgründe für den zunehmenden Gegenwind. Auch die aktuelle Berichtssaison der Unternehmen verschaffe keine Entlastung.
Ölpreise und Anleiherenditen steigen
Die Rohölpreise haben in den vergangenen Wochen deutlich angezogen. Ein Barrel der Sorte Brent kostet aktuell über 85 US-Dollar, Tendenz steigend. Dies treibt die Inflationserwartungen in die Höhe und belastet die Aktienmärkte, da höhere Energiepreise die Unternehmensgewinne schmälern können. Parallel dazu sind die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen auf über 4,5 Prozent gestiegen, was alternative Anlagen attraktiver macht und Aktien unter Druck setzt.
Fed-Zinserhöhung rückt näher
Die US-Notenbank Fed hat in ihren jüngsten Sitzungen signalisiert, dass sie die Zinsen weiter anheben könnte, um die Inflation zu bekämpfen. Markus Koch betont, dass die Wahrscheinlichkeit einer weiteren Zinserhöhung im September gestiegen sei. „Die Märkte preisen eine höhere Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung ein, was die Aktienkurse belastet“, so Koch. Höhere Zinsen verteuern die Kreditaufnahme für Unternehmen und Verbraucher, was die wirtschaftliche Aktivität bremsen kann.
Berichtssaison enttäuscht
Die laufende Berichtssaison der US-Unternehmen für das zweite Quartal habe bislang keine positive Überraschung gebracht, so Koch. „Die Gewinnerwartungen wurden zwar meist erfüllt, aber die Prognosen für das dritte Quartal sind verhalten. Die Unternehmen leiden unter höheren Kosten und einer schwächeren Nachfrage.“ Dies habe zu einer erhöhten Volatilität an den Märkten geführt. Der S&P 500 notiert aktuell rund fünf Prozent unter seinem Allzeithoch von Anfang Juli.
Auswirkungen auf Anleger
Für Anleger bedeutet dies eine schwierige Phase. Koch empfiehlt, defensiv zu positionieren und auf Qualitätsaktien mit starken Bilanzen zu setzen. „In Zeiten steigender Zinsen und Inflation sind Unternehmen mit stabilen Cashflows und geringer Verschuldung im Vorteil.“ Auch eine stärkere Diversifikation über verschiedene Anlageklassen hinweg sei ratsam.



