Der Ölpreis ist am Donnerstagvormittag auf den höchsten Stand seit sechs Wochen gestiegen. Ein Fass der Rohöl-Referenzsorte Brent kostete zeitweise 99,80 US-Dollar und näherte sich damit der psychologisch wichtigen Marke von 100 Dollar je Barrel. Auslöser sind anhaltende US-Militärschläge gegen den Iran sowie Drohungen der Huthi-Rebellen, die die Sorge vor einer Beeinträchtigung wichtiger Handelsrouten im Nahen Osten schüren.
Hintergrund der Eskalation
Die USA hatten in den vergangenen Tagen ihre Luftangriffe auf iranische Einrichtungen verstärkt. Die Regierung in Washington begründet die Offensive mit der Notwendigkeit, die Sicherheit der Schifffahrtswege in der Region zu gewährleisten. Die Huthi-Rebellen im Jemen, die vom Iran unterstützt werden, drohen ihrerseits mit Angriffen auf Tanker und Frachtschiffe im Roten Meer und im Golf von Aden.
„Die Kombination aus US-Angriffen und Huthi-Drohungen führt zu einer erheblichen Verunsicherung am Ölmarkt“, sagte ein Analyst der Commerzbank. „Die Marktteilnehmer befürchten, dass die Lieferketten unterbrochen werden könnten, was den Preis weiter nach oben treiben würde.“
Auswirkungen auf den Weltmarkt
Der Anstieg des Brent-Ölpreises hat bereits Auswirkungen auf die globalen Märkte. Die Aktienkurse von Fluggesellschaften und Logistikunternehmen gaben nach, da höhere Treibstoffkosten ihre Gewinnmargen belasten. Auch die Inflationserwartungen steigen, da Rohöl ein zentraler Kostenfaktor für viele Industrien ist.
Laut Angaben der Internationalen Energieagentur (IEA) könnte ein dauerhafter Ölpreis über 100 Dollar das globale Wirtschaftswachstum um bis zu 0,5 Prozentpunkte dämpfen. Besonders betroffen wären Schwellenländer, die stark von Ölimporten abhängig sind.
Reaktionen der OPEC+
Die OPEC+ hat bislang keine Sondersitzung einberufen, um auf die Preissteigerung zu reagieren. Experten gehen jedoch davon aus, dass das Kartell bei einem anhaltenden Anstieg über 100 Dollar die Fördermenge erhöhen könnte. „Die OPEC+ hat ein Interesse an stabilen Ölmärkten, aber sie wird nicht überstürzt handeln“, sagte ein Rohstoffexperte der Deutschen Bank.



