Die Zahl der Menschen, die sich bei den Industrie- und Handelskammern (IHKs) über eine Firmengründung informieren, ist im Jahr 2025 deutlich gestiegen. Laut dem am Mittwoch veröffentlichten Gründungsreport der Deutschen Industrie- und Handelskammer (DIHK) suchten gut 171.000 Menschen eine Beratung – über 20.000 mehr als im Vorjahr. Besonders auffällig: Der Anteil derjenigen, die aus Sorge um ihren Arbeitsplatz gründen wollen, erreichte mit 36 Prozent den höchsten Wert seit elf Jahren.
Gründungen als Ausweichstrategie
„Fast vier von zehn Interessierten wollen in erster Linie gründen, weil sie angesichts der wirtschaftlichen Lage und der Transformation in vielen Branchen um ihren Arbeitsplatz fürchten“, erklärte DIHK-Präsident Peter Adrian. Der Report zeigt: Die Selbstständigkeit gewinnt für viele die Funktion einer Ausweich- und Sicherungsstrategie. „Vor dem Hintergrund steigender Arbeitslosigkeit, unsicherer Beschäftigungsperspektiven und zunehmender Insolvenzen“, heißt es im Report, sei dieser Trend zu beobachten.
Kein breiter unternehmerischer Aufbruch
Trotz des Anstiegs warnt die DIHK vor Euphorie. „Der Report zeigt zwar ein steigendes Gründungsinteresse, aber keinen breiten unternehmerischen Aufbruch“, resümierte Adrian. Die Zahlen belegen vielmehr ein Muster, das sich über die Jahre abzeichnet: In wirtschaftlich schwierigen Zeiten wird häufiger gegründet, während in guten Zeiten mehr Menschen eine abhängige Beschäftigung bevorzugen.
Regionale Unterschiede und Transformation
Besonders in industriegeprägten Regionen beobachten die IHKs vermehrt Gründungen infolge aktueller Transformationsprozesse. Beschäftigte wechselten „aus industriellen Wertschöpfungsketten in häufig kleinteilige Dienstleistungsangebote“, so der Bericht. Dies spiegele die strukturellen Veränderungen in der deutschen Wirtschaft wider.



