Kuba-Krise: USA-Ölembargo lähmt Tourismus - Reiseveranstalter reagieren mit Umbuchungen
Die sich dramatisch zuspitzende Energiekrise auf Kuba hat schwerwiegende Auswirkungen auf den Tourismussektor der sozialistischen Karibikinsel. Seit Beginn dieser Woche können internationale Flugzeuge in dem Inselstaat nicht mehr aufgetankt werden, was zu massiven Einschränkungen im Flugverkehr führt.
Fluggesellschaften stellen Verbindungen ein
Die kubanische Fluggesellschaft Cubana de Aviación hat ihre einzigen Direktverbindungen von Deutschland nach Kuba bis mindestens Anfang März vollständig ausgesetzt. Betroffene Passagiere können kostenlos auf spätere Termine umbuchen oder erhalten eine vollständige Rückerstattung ihrer Tickets. Auch die kanadische Airline Air Canada hat ihre Flüge nach Kuba vorübergehend eingestellt.
Andere Fluggesellschaften wie Iberia oder Air Europa, die weiterhin Kuba anfliegen, müssen nun zusätzliche Tankstopps an anderen Flughäfen einlegen, um die Treibstoffknappheit auf der Insel zu umgehen. Diese Maßnahmen verlängern die Reisezeiten erheblich und erhöhen die Betriebskosten der Airlines.
Auswärtiges Amt warnt vor Reisen
Wegen des akuten Treibstoffmangels, der direkt auf das Ölembargo der USA gegen Kuba zurückzuführen ist, rät das Auswärtige Amt in seinen aktuellen Reisehinweisen dringend von nicht notwendigen Reisen in das Land ab. Das Ministerium betont, dass die Energiekrise auf eine bereits breitflächig marode Energieinfrastruktur trifft.
„Das Ausbleiben von Öl- und Treibstofflieferungen aus dem Ausland führt zu erheblichen Ausfällen bei der Energie- und Treibstoffversorgung, die sich auf alle Lebensbereiche auswirkt“, so die offizielle Stellungnahme des Auswärtigen Amtes. Die Situation wird als ernst und anhaltend eingeschätzt.
Reiseveranstalter bieten flexible Lösungen an
Der zweitgrößte deutsche Reisekonzern Dertour empfiehlt seinen Kunden, Reiseabsichten nach Kuba „vor dem Hintergrund der aktuellen Situation sorgfältig zu überdenken“. Für alle Abreisen bis zum 31. März bietet das Unternehmen kostenlose Umbuchungen oder Stornierungen an. Für spätere Reisen besteht die Möglichkeit zur kostenlosen Umbuchung.
Das Angebot auf Kuba wurde bereits seit längerer Zeit deutlich reduziert. Hotels ohne ausreichende Notstrom- oder Treibstoffreserven wurden aus dem Programm genommen, und sämtliche Rundreisen sowie Ausflüge wurden eingestellt. Für die derzeit vor Ort befindlichen Kunden – eine niedrige dreistellige Zahl – organisiert der Reisekonzern bei Bedarf vorgezogene Rückreisen.
Tui hat laut Berichten alle Anreisen bis Ende April abgesagt. Ab Mai wird Europas größter Reisekonzern Kuba vorerst nicht mehr regulär in seinem Programm führen.
Tourismus in veränderter Form möglich
Wilson Cardozo vom Spezialreiseveranstalter Aventura erklärt gegenüber Fachmedien: „Der Tourismus, wie wir ihn vorher kannten, ist in der Form nicht einfach so umzusetzen.“ Statt individueller Reisen bieten sich jetzt geführte Reisen an, die insbesondere im Westen des Landes noch durchführbar seien. Es sei jedoch wichtig, sich genau zu informieren und dann eine fundierte Entscheidung zu treffen.
Hintergrund der multiplen Krise
Kuba kämpft bereits seit längerem mit Energieproblemen und Versorgungsengpässen bei Medikamenten. Zu diesen strukturellen Schwierigkeiten kamen zuletzt große Verwüstungen durch den Hurrikan „Melissa“, die die Situation weiter verschärft haben.
Die touristischen Besucherzahlen zeigen einen deutlichen Rückgang. Offiziellen Statistiken zufolge besuchten 2025 etwa 2,6 Millionen Menschen die Karibikinsel – ein Minus von rund 400.000 Gästen im Vergleich zum Vorjahr. Die meisten Touristen reisten aus Kanada an. Aus Deutschland kamen nur noch 33.056 Gäste, was einem Rückgang von etwa 50 Prozent gegenüber 2024 entspricht.
Die aktuelle Krise verdeutlicht die Abhängigkeit Kubas von ausländischen Energieimporten und die verletzliche Position des Tourismussektors bei geopolitischen Spannungen. Die langfristigen Auswirkungen auf die kubanische Wirtschaft und den internationalen Reiseverkehr bleiben abzuwarten.



