AstraZeneca erwägt Mega-Fusion mit US-Rivalen Bristol Myers Squibb
AstraZeneca erwägt Mega-Fusion mit Bristol Myers Squibb

Der britische Pharmakonzern AstraZeneca lotet einem Zeitungsbericht zufolge eine Fusion mit dem US-Wettbewerber Bristol Myers Squibb (BMS) aus. Nach Informationen der „Financial Times“ haben die beiden Unternehmen in den vergangenen Monaten Gespräche über einen möglichen Zusammenschluss geführt. Ein Abschluss könnte demnach in naher Zukunft erfolgen – doch ebenso gut könnten sich die Verhandlungen verzögern oder scheitern. Weder AstraZeneca noch BMS reagierten zunächst auf Anfragen.

Die wohl größte Pharmafusion aller Zeiten

Würde der Deal umgesetzt, entstünde einer der umsatzstärksten Arzneimittelkonzerne der Welt. Die kombinierte Marktkapitalisierung beider Häuser liegt derzeit bei rund 400 Milliarden Dollar – umgerechnet etwa 345 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die Übernahme von Celgene durch Bristol Myers Squibb im Jahr 2019 hatte ein Volumen von rund 74 Milliarden Dollar; der Zusammenschluss von Pfizer und Allergan, der 2016 platzte, war auf 160 Milliarden Dollar angelegt. Ein AstraZeneca-BMS-Deal würde solche Dimensionen weit übertreffen.

AstraZeneca bringt es an der Börse aktuell auf etwa 196 Milliarden Pfund (rund 264 Milliarden Dollar). Bristol Myers Squibb wird mit ungefähr 133 Milliarden Dollar bewertet. Zusammengenommen ergäbe sich ein neuer Branchenriese, der mit Pfizer, Eli Lilly und Johnson & Johnson auf Augenhöhe läge. Allein mit dem Onkologie-Portfolio aus Medikamenten wie Tagrisso, Imfinzi und Opdivo eroberten die beiden Unternehmen praktisch jedes Segment der Krebsbehandlung.

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Gespräche seit Monaten – noch keine Einigung

Laut „Financial Times“ haben die Sondierungen bereits vor mehreren Monaten begonnen. Insidern zufolge ist ein Deal möglich, aber noch nicht in trockenen Tüchern. Offene Fragen gebe es unter anderem bei der Bewertung, der künftigen Konzernstruktur und der Frage, wo der Sitz des neuen Unternehmens liegen würde. Während Großbritannien mit einem Abgang von AstraZeneca an die Wall Street hadern würde, sähe sich Bristol Myers Squibb mit einer möglichen Verlagerung von Entscheidungsgewalt konfrontiert.

Analysten zeigen sich gespalten. Einerseits sind die Synergiepotenziale in Forschung und Vertrieb enorm. Andererseits wächst der politische Druck auf große Pharmafusionen. Die US-Wettbewerbsbehörde FTC hat in den vergangenen Jahren mehrere Übernahmen im Pharmabereich blockiert oder verschärfte Auflagen erteilt. Die EU-Kommission könnte ähnliche Bedenken anmelden.

AstraZeneca treibt US-Expansion voran

Hinter dem möglichen Großdeal steht vor allem AstraZeneca-Chef Pascal Soriot. Er hat den Konzern in den zehn Jahren seiner Amtszeit von einem Übernahmekandidaten zu einem der wertvollsten Pharmaunternehmen Europas geformt. Soriot treibt seit langem die Ausrichtung auf den US-Markt voran. Erst im Juni hatte AstraZeneca seine Zweitnotierung in New York aufgewertet – ein Schritt, der in London als herber Rückschlag empfunden wurde. Das Unternehmen ist nach Marktkapitalisierung das zweitwertvollste börsennotierte Unternehmen Großbritanniens.

Bristol Myers Squibb wiederum bringt starke Umsätze mit Krebsimmuntherapien und neuen Herzmedikamenten in die Ehe ein. Das US-Unternehmen hat seinen Hauptsitz in New York und beschäftigt weltweit rund 34.000 Mitarbeiter. AstraZeneca kommt auf etwa 83.000 Angestellte. Ein Zusammenschluss würde in der Pharmabranche eine neue Nummer eins hinter dem US-Konzern Pfizer entstehen lassen – ein Symbol für die anhaltende Konsolidierungswelle in der Industrie.

Was ein Scheitern bedeuten würde

Sollten die Gespräche platzen, wäre das kein Einzelfall. In der Geschichte der Pharmaindustrie sind immer wieder milliardenschwere Zusammenschlüsse in letzter Minute geplatzt – offen blieb etwa der Versuch von Pfizer, AstraZeneca bereits 2014 zu übernehmen. Damals lehnte Soriets Vorgänger das Angebot ab. Die Analysten von Jefferies weisen darauf hin, dass beide Unternehmen auch einzeln gut aufgestellt seien. AstraZeneca wächst mit seinen Onkologie- und Herz-Kreislauf-Präparaten, BMS profitiert von den Verkäufen von Eliquis und Opdivo.

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Für die Börsen wäre eine Bestätigung der Gespräche ein Kurstreiber. Die Aktien beider Konzerne haben in den vergangenen Tagen bereits eine erhöhte Volatilität gezeigt. Händler spekulieren über mögliche Sonderkonditionen, etwa Aktientausche oder Barabfindungen. Eine offizielle Mitteilung könnte die Kurse kräftig bewegen. Bis dahin gilt: Es handelt sich um eine Absichtserklärung, nicht um einen abgeschlossenen Vertrag.

Wann kommt die Entscheidung?

Die nächsten Wochen dürften Aufschluss geben. Die „Financial Times“ berichtet, dass ein Abschluss in naher Zukunft möglich sei. Doch ohne eine offizielle Stellungnahme der Unternehmen bleiben alle Angaben Spekulation. An den Kapitalmärkten wird das Geschehen genau beobachtet. Sollte es zu einer Annäherung kommen, wäre dies eine der folgenreichsten Fusionen der jüngeren Wirtschaftsgeschichte – und ein klares Signal, dass die Konsolidierung im Pharmamarkt noch lange nicht abgeschlossen ist.