Die deutsche Wirtschaft sendet erste Stabilisierungssignale, doch die Verbraucher lassen sich davon nicht beeindrucken. Das HDE-Konsumbarometer gibt im August erneut nach und fällt um 0,59 Punkte auf 94,18 Zähler. Damit liegt die Stimmung deutlich unter dem Niveau des vergangenen Sommers, als der Index gut drei Punkte höher notierte. Vor allem die Sparneigung der Haushalte ist sprunghaft angestiegen – ein Indiz für wachsendes Angstsparen in unsicheren Zeiten.
Angstsparen als Reaktion auf wachsende Unsicherheit
Das monatlich vom Handelsblatt Research Institute (HRI) im Auftrag des Handelsverbands Deutschland (HDE) erhobene Barometer basiert auf einer repräsentativen Befragung von rund 1600 Haushalten. Der jüngste Rückgang wird maßgeblich auf die deutlich erhöhte Sparneigung der Konsumenten zurückgeführt. Offenbar stocken viele Menschen ihre Rücklagen auf, weil die Risiken für die eigene finanzielle Situation zunehmen.
Zu den zentralen Sorgen zählen die bevorstehende Heizperiode, die wegen stark gestiegener Preise für Erdgas und Heizöl erheblich teurer werden dürfte, sowie die wachsende Furcht vor Arbeitsplatzverlust. Zahlreiche Unternehmen haben bereits Personal abgebaut oder planen entsprechende Schritte. Diese Unsicherheit schlägt sich unmittelbar im Konsumklima nieder.
Arbeitsmarkt zeigt weiter Schwäche
Der Arbeitsmarkt untermauert die Sorgen der Verbraucher. Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit (BA) kletterte die Arbeitslosenzahl im Juli wieder über die Drei-Millionen-Marke. Zwar ist der Anstieg überwiegend saisonal bedingt, doch auch die saisonbereinigte Arbeitslosenzahl legte im Monatsvergleich um 6000 Personen zu. Damit setzt sich der Negativtrend der vergangenen eineinhalb Jahre fort.
„Insgesamt setzt sich am Arbeitsmarkt die schwache Entwicklung der vergangenen Monate fort“, sagte BA-Vorstand Daniel Terzenbach bei der Vorstellung der Monatsdaten. Etwas mehr als 1,1 Millionen Menschen erhielten im Juli Arbeitslosengeld – 107.000 mehr als ein Jahr zuvor. Die Zahl der erwerbsfähigen Bürgergeldberechtigten lag bei 3,8 Millionen, das sind 121.000 weniger als im Vorjahresmonat. Die Nachfrage nach Arbeitskräften bleibt laut BA weiterhin schwach.
Konjunkturdaten überraschen positiv
Trotz der trüben Verbraucherstimmung zeigen die Konjunkturdaten durchaus Lichtblicke. Neue Berechnungen des Statistischen Bundesamts belegen, dass die reale Wirtschaftsleistung im zweiten Quartal um 1,8 Prozent höher lag als im Schlussquartal 2019, also vor der Coronapandemie. Bislang war die Wirtschaft in diesem Zeitraum als weitgehend stagnierend eingeschätzt worden.
Für das laufende Jahr ergibt sich daraus ein positiver Überhang: Das erste Quartal wuchs nach revidierten Daten um 0,4 Prozent, das zweite Quartal um 0,2 Prozent. Sollte die Wirtschaft in der zweiten Jahreshälfte auf der Stelle treten, stünde am Ende dennoch ein Jahreswachstum von 0,8 Prozent zu Buche. Die Bundesregierung rechnet bislang lediglich mit 0,5 Prozent für das Gesamtjahr 2026 – das Potenzial für eine positive Überraschung ist also vorhanden.
Frühindikatoren hellen sich auf
Auch die Frühindikatoren deuten auf einen guten Start ins dritte Quartal hin. Der zusammengefasste S&P-Global-Einkaufsmanagerindex stieg auf 51,2 Punkte und liegt damit deutlich über der Wachstumsschwelle von 50. Der Geschäftsklimaindex des Ifo-Instituts kletterte im Juli auf 86,6 Punkte, nach 85,7 im Juni – getragen vor allem von deutlich besseren Erwartungen. Die Bewertung der aktuellen Geschäftslage fiel hingegen etwas verhaltener aus.
„Trotz der unsicheren Lage am Persischen Golf zeigt sich die deutsche Wirtschaft weniger pessimistisch“, kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest die Entwicklung. Die Entspannung der Erwartungen könnte ein Vorbote für eine allmähliche Erholung sein, auch wenn die geopolitischen Risiken weiterhin hoch bleiben.
Einzelhandel: Stimmung besser, Niveau desolat
Im Einzelhandel verbesserte sich die Stimmung im Juli spürbar, auch wenn die Zahl der Pessimisten die der Optimisten weiterhin deutlich übersteigt. Die Geschäftslage im gesamten Einzelhandel ohne Kfz-Handel legte um 7,2 Punkte auf minus 24,8 zu, die Geschäftserwartungen stiegen um 3,8 Punkte auf minus 38,6. Die Richtung stimmt also, das Niveau bleibt jedoch dramatisch.
In keinem Segment des Einzelhandels finden sich derzeit positive Werte für Lage oder Erwartungen. Das Geschäftsklima schwankt weiterhin zwischen schlecht und sehr schlecht. Der erneute Rückgang des Konsumbarometers dürfte wenig Anlass geben, an dieser Einschätzung etwas zu ändern. Die Verbraucher bleiben im Krisenmodus – auch wenn die Konjunktur langsam Fahrt aufnimmt.



