Schalke 04 hat sich im Wintertransferfenster die Dienste eines Spielers gesichert, der mit Eintracht Frankfurt im Jahr 2022 den größten Erfolg der Vereinsgeschichte feierte. Wie die Augsburger Allgemeine aus Vereinskreisen erfuhr, fiel die Wahl auf den Schweizer Nationalspieler Djibril Sow. Der 27-Jährige wechselt am letzten Tag der Transferperiode vom FC Sevilla in den Ruhrpott und unterschreibt einen Vertrag bis zum 30. Juni 2028.
Ein Sieg im Elfmeterschießen machte ihn unsterblich
Sow gehörte am 18. Mai 2022 zur Startelf der Frankfurter Eintracht, die im Estadio Ramón Sánchez-Pizjuán von Sevilla die Glasgow Rangers mit 5:4 im Elfmeterschießen bezwang. Der defensive Mittelfeldspieler spielte die komplette reguläre Spielzeit und auch die Verlängerung, ehe er im Elfmeterschießen beim 3:4-Zwischenstand nervenstark verwandelte. Dieser Auftritt machte ihn bei den Anhängern zur Kultfigur – und zum „Europapokal-Helden“, wie ihn die Fankurve heute noch nennt.
In jener Europa-League-Saison bestritt Sow insgesamt elf Partien, immerhin vier davon in der K.o.-Phase. Sein Marktwert stieg nach dem Triumph von 10 auf rund 16 Millionen Euro, ehe ihn der FC Sevilla für eine Ablöse von rund 15 Millionen Euro unter Vertrag nahm. In Spanien verlor Sow jedoch den Anschluss: In der vergangenen Saison kam er nur auf 18 Einsätze, davon lediglich zwölf in der Liga, und stand mehrfach nicht einmal im Kader.
Warum Schalke den Transfer als Glücksfall sieht
Schalkes Sportdirektor Ben Manga zeigte sich bei der Vorstellung des Spielers am Mittwochmittag zufrieden. „Djibril ist ein Spieler, der auf dem Platz Verantwortung übernimmt. Er hat in Frankfurt gezeigt, dass er auch in Drucksituationen abliefern kann. Seine Verpflichtung ist für unser Projekt ein absoluter Gewinn“, wird Manga in der Klubmitteilung zitiert. Man habe den Spieler bereits seit Sommer beobachtet und den Kontakt über gemeinsame Bekannte im spanischen Fußball aufrechterhalten.
Sportlich füllt Sow eine wichtige Lücke. Nach dem Karriereende von Danny Latza fehlte es im zentralen Mittelfeld an einem erfahrenen Abräumer vor der Abwehr. Sow hat in seiner Karriere bislang 217 Pflichtspiele für Young Boys, Frankfurt und Sevilla absolviert, dabei 14 Tore erzielt und 17 Vorlagen gegeben. Seine Zweikampfquote in der Europa-League-Saison lag bei beeindruckenden 67 Prozent.
Ein Vertrag bis 2028 und die Rückkehr in die Bundesliga
Der Vertrag von Sow in Sevilla wäre noch bis 2026 gelaufen. Schalke einigte sich mit dem spanischen Klub auf eine Ablöse im niedrigen einstelligen Millionenbereich – nach Informationen dieser Zeitung sollen es rund 4,5 Millionen Euro plus Bonuszahlungen sein. In Gelsenkirchen wird der Schweizer künftig die Rückennummer 8 tragen, die zuletzt Suat Serdar gehörte.
Für Sow selbst ist der Wechsel auch eine emotionale Rückkehr nach Deutschland. „Ich bin Eintracht Frankfurt für alles dankbar, aber ich freue mich auf die neue Aufgabe. Schalke ist ein Verein mit unglaublicher Tradition und einer großen Zukunft“, sagte der 27-Jährige laut einem kurzen Statement. Er wolle helfen, den Klub in die Bundesliga zurückzuführen.
Vom Young-Boys-Profi zum Europapokal-Sieger
Aufgewachsen im beschaulichen Köniz bei Bern, lief Sow bereits mit 17 Jahren für die Young Boys auf. Sein talentiertes Spiel blieb nicht unbemerkt: 2015 wechselte er zum SC Freiburg, wo er sich aber nicht durchsetzen konnte. Erst bei Eintracht Frankfurt entwickelte sich der damals 21-Jährige unter Trainer Adi Hütter zu einem der besten defensiven Mittelfeldspieler der Bundesliga. In vier Jahren in Frankfurt machte er 150 Pflichtspiele und wurde 2022 mit dem Verein Europa-League-Sieger – der größte Erfolg seiner Karriere.
Auch in der Schweizer Nationalmannschaft ist Sow gesetzt. 30 Länderspiele stehen in seiner Bilanz, dazu ein Einsatz bei der WM 2022 in Katar. Mit seiner Erfahrung aus internationalen Wettbewerben bringt er genau die Abgeklärtheit mit, die Schalkes jungem Kader oft noch fehlt.
Schalkes Tabellenlage macht Hoffnung
Die Verpflichtung ist ein klares Bekenntnis zum Aufstiegskampf. Nach 15 Spieltagen der 2. Bundesliga belegt Schalke mit 28 Punkten den zweiten Platz, nur ein Punkt hinter dem Hamburger SV. Das Torverhältnis von 31:19 ist die drittbeste offensive Bilanz der Liga. Der Rückstand auf den Drittplatzierten, den SC Paderborn, beträgt bereits vier Punkte – Tendenz steigend.
Im kommenden Heimspiel gegen Fortuna Düsseldorf könnte Sow bereits in der Startelf debütieren. Trainer Karel Geraerts muss allerdings noch die taktische Ausrichtung anpassen. Möglich ist sowohl eine Doppel-Sechs mit Paul Seguin als auch eine deutlich offensivere Ausrichtung mit Sow als alleinigem Sechser vor der Viererkette. Beide Varianten probte der Belgier zuletzt im Training.
Wie die Fans auf den Neuzugang reagieren
Die Anhängerschaft der Königsblauen reagiert in den sozialen Netzwerken überwiegend euphorisch. Viele sehen in Sow den passenden Ersatz für den abgewanderten Danny Latza und gleichzeitig eine Perspektive für die Bundesliga. In einem Fanforum heißt es: „Mit solchen Transfers schafft man Identität. Der Sow wird die Kurve mitreißen.“ Ob dieser Charme auch auf dem Platz ankommt, muss er bereits am Samstag bei der Partie in Nürnberg andeuten.
Insgesamt zeigt der Trend: Schalke will nach zwei enttäuschenden Zweitligajahren endlich zurück ins Oberhaus. Und mit einem Europapokal-Helden in den eigenen Reihen dürfte das Selbstvertrauen wachsen. Die finale Unterschrift unter den Vertrag ist laut Vereinsangaben am Donnerstagnachmittag erfolgt, rechtzeitig vor Transferschluss. Nun liegt es am Spieler, das Vertrauen zurückzuzahlen.



