Aufstieg und Fall der Kultmarke Kunert: Der letzte Strumpfkönig
Aufstieg und Fall der Kultmarke Kunert

Marlene Dietrich machte die Nylons berühmt, doch die Strümpfe aus Immenstadt im Allgäu wurden zur Kultmarke: Kunert. Der letzte Strumpfkönig Rainer Michel baute aus der Familienfirma ein Imperium auf, das tausende Mitarbeiter beschäftigte. Heute ist Europas größte Strumpfstrickerei ein stiller Ort. Wie es zu Aufstieg und Niedergang kam, zeigt die Geschichte einer einstigen Erfolgsmarke.

Vom Weltkrieg bis zum Wirtschaftswunder

Die Geschichte von Kunert beginnt in den 1920er Jahren. Die Familie gründete eine kleine Strumpffabrik in Immenstadt, die zunächst regionale Märkte belieferte. Mit der Erfindung der Nylonstrümpfe in den 1930er Jahren erlebte die Branche einen Boom. Marlene Dietrich trug die hauchdünnen Strümpfe und machte sie weltweit populär. Kunert profitierte von dieser Entwicklung und wuchs stetig.

Nach dem Zweiten Weltkrieg, während des Wirtschaftswunders, expandierte das Unternehmen rasant. Die Strümpfe aus Immenstadt wurden zum Symbol für den Aufbruch in eine neue Zeit. Millionen Frauen in Deutschland und Europa trugen Kunert-Strümpfe. Die Marke stand für Qualität und Eleganz.

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Der Strumpfkönig Rainer Michel

Rainer Michel, der Enkel des Firmengründers, übernahm in den 1970er Jahren die Leitung. Er modernisierte die Produktion, baute neue Fabriken und machte Kunert zum europäischen Marktführer. Unter seiner Führung wuchs die Belegschaft auf mehrere tausend Mitarbeiter an. Michel setzte früh auf Umweltstandards, die heute in vielen Fabriken selbstverständlich sind. Er investierte in umweltfreundliche Produktionsverfahren und soziale Projekte für die Mitarbeiter.

„Rainer Michel war ein Visionär. Er hat das Unternehmen nicht nur wirtschaftlich erfolgreich gemacht, sondern auch nachhaltig geführt“, sagt ein ehemaliger Manager. Doch der Erfolg hatte auch Schattenseiten. Die Abhängigkeit von wenigen Großkunden und der wachsende Preisdruck aus dem Ausland setzten dem Unternehmen zu.

Fataler Fehler der Nachfolger

Nach Michels Rückzug in den 1990er Jahren übernahmen seine Nachfolger die Führung. Sie setzten auf eine aggressive Expansionsstrategie, die auf Kosten der Marke und der Qualität ging. Statt Innovation und Nachhaltigkeit stand nun kurzfristige Gewinnmaximierung im Vordergrund. Die Produktion wurde ins Ausland verlagert, die Arbeitsbedingungen verschlechterten sich.

Ein fataler Fehler war die Vernachlässigung der Kernmärkte. Kunert verlor den Anschluss an den Modemarkt. Die Konkurrenz aus Asien überschwemmte Europa mit billigen Strümpfen. Kunert konnte nicht mithalten. Die Umsätze brachen ein, die Mitarbeiterzahl schrumpfte drastisch.

Der Niedergang einer Kultmarke

Anfang der 2000er Jahre musste Kunert Insolvenz anmelden. Teile des Unternehmens wurden verkauft, die Produktion in Immenstadt weitgehend eingestellt. Heute erinnert nur noch ein kleines Museum an die einstige Größe. „Es ist traurig, dass eine solche Marke untergegangen ist. Aber die Fehler der Nachfolger waren nicht mehr zu korrigieren“, sagt ein Branchenkenner.

Die Geschichte von Kunert zeigt, wie schnell ein Imperium zerfallen kann, wenn die Weitsicht fehlt. Rainer Michel hatte die richtigen Ideen, doch seine Nachfolger verspielten das Erbe. Die Strümpfe aus Immenstadt sind heute nur noch eine Erinnerung an eine glanzvolle Zeit.

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