Einen Tag nach der Bekanntgabe des neuen Vorstandsvorsitzenden legt Biontech heute seine Geschäftszahlen für das zweite Quartal vor. Die Präsentation in Mainz dürfte vor allem Aufschluss darüber geben, wie weit das Unternehmen bei der Entwicklung von Krebsmedikamenten fortgeschritten ist. Zugleich wird mit Spannung erwartet, ob sich Biontech zu den geplanten Standortschließungen äußert.
Umsatzrückgang und höhere Verluste
Im ersten Quartal hatte Biontech einen deutlichen Umsatzrückgang verzeichnet. Die Erlöse sanken auf 118,1 Millionen Euro nach 182,8 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Als Hauptgrund nannte das Unternehmen geringere Einnahmen mit seinen Covid-19-Impfstoffen. Der Nettoverlust stieg auf 531,9 Millionen Euro, nach 415,8 Millionen Euro im ersten Quartal 2025. Diese Entwicklung führte Biontech auf höhere Entwicklungskosten zurück, insbesondere im Bereich der Krebstherapien.
Das Mainzer Biotechnologie-Unternehmen, das während der Corona-Pandemie mit seinem Impfstoff hohe Gewinne erzielte, investiert massiv in die Erforschung neuartiger Krebstherapien. Analysten erwarten, dass die Quartalszahlen weitere Einblicke in den Fortschritt dieser Projekte geben.
Standortschließungen bis 2027
Im Fokus steht weiterhin die angekündigte Schließung mehrerer Standorte. Bis Ende 2027 sollen die Werke in Idar-Oberstein, Marburg und Tübingen geschlossen werden. Auch der Betrieb in Singapur wird voraussichtlich im ersten Quartal 2027 eingestellt. Diese Entscheidungen waren Teil einer Umstrukturierung, die das Unternehmen bereits im Frühjahr angekündigt hatte.
Die Schließungen betreffen mehrere hundert Arbeitsplätze. Biontech begründete die Maßnahmen mit der Notwendigkeit, Kosten zu senken und sich stärker auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren. Die betroffenen Standorte waren überwiegend in der Produktion von Covid-19-Impfstoffen tätig, deren Nachfrage drastisch gesunken ist.
Führungswechsel an der Spitze
Seit Montag ist bekannt, dass Guido Oelkers spätestens ab dem 1. Februar 2027 neuer Vorstandsvorsitzender von Biontech wird. Er löst damit Mitgründer Ugur Sahin ab, der gemeinsam mit seiner Frau Özlem Türeci ein neues Unternehmen gründen will. Oelkers kommt vom schwedischen Biopharma-Unternehmen Swedish Orphan Biovitrum (Sobi), wo er seit 2017 als Vorstandsvorsitzender tätig war.
Der Führungswechsel markiert eine Zäsur für Biontech, das von Sahin und Türeci im Jahr 2008 gegründet wurde. Sahin hatte das Unternehmen in der Pandemie zu einem der wertvollsten Biotech-Konzerne Europas geführt. Sein Weggang wirft Fragen zur künftigen strategischen Ausrichtung auf.
Ausblick und Erwartungen
Für das Gesamtjahr rechnet Biontech weiterhin mit einem Umsatz von etwa 1,5 bis 2 Milliarden Euro. Der Fokus liegt zunehmend auf der Onkologie, wo das Unternehmen mehrere Produktkandidaten in klinischen Studien hat. Besonders vielversprechend sind die Ansätze zur personalisierten Krebstherapie, die auf der mRNA-Technologie basieren.
Analysten erwarten, dass Biontech in den kommenden Jahren erste Zulassungen für Krebsmedikamente erreichen könnte. Die Quartalszahlen werden zeigen, ob das Unternehmen auf Kurs ist. Die Präsentation beginnt um 14 Uhr und wird live im Internet übertragen.



