Der Düsseldorfer Verpackungskonzern Gerresheimer verschafft sich mit dem Verkauf von zwei Sparten für insgesamt 1,5 Milliarden Euro finanziellen Spielraum. Wie das Unternehmen am Mittwoch mitteilte, geht nicht nur die US-Tochter Centor an den Finanzinvestor Apax Partners, sondern auch das weltweite Geschäft mit Medikamenten-Primärverpackungen aus Kunststoff (PPP). Beide Sparten werden zusammen mit Schulden mit 1,5 Milliarden Euro bewertet. Im vergangenen Jahr erwirtschafteten sie mit rund 2400 Mitarbeitern einen Umsatz von 570 Millionen Euro.
Schuldenberg von 1,9 Milliarden Euro soll abgebaut werden
Der Verkaufserlös soll vor allem dem Schuldenabbau dienen. Gerresheimer hatte zuletzt Schulden von 1,9 Milliarden Euro. Mit dem Erlös könne der Konzern seine Refinanzierungssorgen deutlich mindern, hieß es aus Händlerkreisen. Die Aktie von Gerresheimer legte am Mittwoch um 12,5 Prozent zu. Ein Händler kommentierte, der Verkauf beende das Bangen um die Refinanzierung. Die Veräußerung auch des Kunststoffgeschäfts sei eine positive Überraschung, da ursprünglich nur der Verkauf von Centor angekündigt war.
Centor wurde vor elf Jahren für 725 Millionen Dollar gekauft
Gerresheimer hatte Centor vor elf Jahren für 725 Millionen Dollar erworben. Nun übernimmt Apax neben dem US-Werk von Centor auch 15 weitere Fabriken für Plastikverpackungen in neun Ländern. Apax-Manager Mehmet Tar versprach, in das Geschäft zu investieren: „Als unabhängiges Unternehmen, das von den Apax-Fonds unterstützt wird, wird das Geschäft über das Kapital verfügen, um in Kapazitäten, Innovation und die Expansion in den USA zu investieren, aufbauend auf seiner globalen Führungsposition im Bereich Healthcare-Verpackungen.“ Apax-Partner Anders Meyerhoff ergänzte, man wolle ein eigenständiges Unternehmen für langfristiges Wachstum aufbauen.
Fokus auf lukrative Systeme und Medizinprodukte
Gerresheimer-Vorstandschef Uwe Röhrhoff erklärte: „Mit dieser Transaktion gewinnen wir unternehmerische Handlungsspielräume zurück.“ Der Konzern fokussiere sich künftig noch stärker auf lukrative Systeme zur Verabreichung von Medikamenten, Medizinprodukte und Primärverpackungen für injizierbare Arzneimittel. Der Verkauf der Kunststoffsparte (PPP) könnte sich allerdings noch bis ins nächste Jahr hinziehen, während der Centor-Verkauf noch dieses Jahr abgeschlossen werden soll.
Bafin-Rüge und Bilanzskandal belasten Unternehmen
Gerresheimer war nach einer Rüge der „Bilanzpolizei“ der Finanzaufsicht Bafin unter Druck geraten. Das Unternehmen hatte 2024 Umsätze vorzeitig verbucht, obwohl die Waren noch nicht ausgeliefert worden waren. Dies ließ den Aktienkurs abstürzen und verzögerte den Jahresabschluss für 2025 massiv. Nach Abschreibungen von mehr als einer halben Milliarde Euro stand ein Verlust von 318 Millionen Euro zu Buche. Die Wirtschaftsprüfer von KPMG hatten darauf gedrängt, den Verkauf noch in diesem Jahr abzuschließen, da die Gläubiger sonst die Reißleine ziehen könnten, falls Gerresheimer die Kreditbedingungen verletze.
Mit der Entschuldung könnte Gerresheimer zudem attraktiver für einen Käufer werden. Im Frühjahr hatte das Unternehmen laut Insidern die Avancen des US-Rivalen Silgan zurückgewiesen.



