Der Halbleiterkonzern Infineon hat im Geschäftsjahr 2024 einen Umsatzrekord erzielt. Wie das Unternehmen am Dienstag mitteilte, stieg der Umsatz auf 14,9 Milliarden Euro – ein Plus von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit übertraf Infineon trotz der schwachen Konjunktur und der anhaltenden Nachfrageflaute in einigen Kernmärkten die eigenen Erwartungen.
Starke Nachfrage aus der Automobilindustrie
Besonders die Nachfrage nach Chips für Elektroautos und erneuerbare Energien trug zum Rekordergebnis bei. Der Bereich Automotive, der mit Abstand größte Geschäftsbereich, verzeichnete ein Umsatzwachstum von 22 Prozent auf 8,1 Milliarden Euro. Auch das Geschäft mit Industrie- und Multimarkt-Halbleitern legte um 13 Prozent auf 3,4 Milliarden Euro zu.
„Wir haben in einem herausfordernden Umfeld ein sehr gutes Ergebnis erzielt“, sagte Vorstandschef Jochen Hanebeck laut Mitteilung. „Die strukturelle Nachfrage nach Halbleitern für die Dekarbonisierung und Digitalisierung bleibt ungebrochen.“ Der Konzern profitiere von Megatrends wie Elektromobilität, erneuerbaren Energien und dem Ausbau der digitalen Infrastruktur.
Gegenwind aus China und Lagerbeständen
Trotz des Rekords musste Infineon auch Rückschläge verkraften. So belasteten die schwache Konjunktur in China und die hohen Lagerbestände bei Kunden aus der Konsumgüter- und Kommunikationsbranche das Ergebnis. In diesen Bereichen gingen die Umsätze teils zweistellig zurück. Die bereinigte operative Marge sank von 27,5 Prozent im Vorjahr auf 24,6 Prozent.
Für das laufende Geschäftsjahr 2025 zeigt sich der Konzern verhalten optimistisch. Infineon erwartet einen Umsatz von rund 15,5 Milliarden Euro, was einem Wachstum von etwa vier Prozent entspricht. Die operative Marge soll auf 22 bis 24 Prozent sinken, da weiterhin hohe Investitionen in neue Fertigungskapazitäten anfallen.
Investitionen in Dresden und Malaysia
Infineon investiert derzeit massiv in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten. In Dresden entsteht eine neue Fertigung für Leistungshalbleiter, die 2026 in Betrieb gehen soll. Auch am Standort Kulim in Malaysia wird eine neue Anlage gebaut. Insgesamt plant der Konzern bis 2030 Investitionen von rund 50 Milliarden Euro.
„Wir investieren in die Zukunft, um das erwartete Wachstum der nächsten Jahre zu bedienen“, erklärte Finanzvorstand Sven Schneider. Die Investitionen seien gut finanziert, die Bilanz sei robust. Infineon habe im abgelaufenen Geschäftsjahr einen freien Cashflow von 1,2 Milliarden Euro erwirtschaftet.
Reaktionen von Analysten
Analysten zeigten sich überwiegend positiv überrascht von den Zahlen. „Infineon hat trotz des schwierigen Umfelds solide abgeschnitten“, kommentierte ein Analyst der DZ Bank. Der Ausblick für 2025 sei allerdings etwas verhalten, was Anleger enttäuschen könnte. Die Aktie von Infineon notierte nach Bekanntgabe der Zahlen zunächst leicht im Plus.
Infineon ist einer der größten Halbleiterhersteller Europas und beschäftigt weltweit rund 58.000 Mitarbeiter. Das Unternehmen mit Hauptsitz in Neubiberg bei München liefert Chips für Automobil-, Industrie- und Kommunikationsanwendungen.



