Bremens CDU-Chef Strohmann wirft Merz West-Brille vor
Strohmann: Merz in alter Bundesrepublik verhaftet

Bremens CDU-Landeschef Heiko Strohmann hat seine Kritik an Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz erneuert und ihm vorgeworfen, in der alten Bundesrepublik verhaftet zu sein. „Unter Friedrich Merz fühlt sich die CDU manchmal an wie eine Partei vor der Wende“, sagte Strohmann dem Nachrichtenmagazin „Focus“. Merz führe die Partei „mit der Brille eines Sauerländers“ und sei in der alten Bundesrepublik verhaftet. Die Union habe aber einen gesamtdeutschen Anspruch. „Für die Lebensrealität vieler ostdeutscher Mitbürger haben wir ziemlich wenig im Angebot“, stellte der 54-Jährige fest.

Hintergrund der Kritik: Kabinettsumbildung und Ost-Vertretung

Die erneute Kritik fällt in eine Zeit, in der Merz ohnehin unter Druck steht. Bei der jüngsten Kabinettsumbildung blieb Ostdeutschland nach Ansicht von Kritikern erneut unterrepräsentiert. Strohmann hatte bereits in der Sitzung des CDU-Bundesvorstands vergangene Woche für Aufsehen gesorgt, als er Merz nach eigenen Angaben entgegenschleuderte: „Sie leiten hier keine Firma, sondern eine Partei.“ Mit dieser Aussage stellte er sich hinter den sächsischen CDU-Politiker Armin Schuster, der die mangelnde Vertretung Ostdeutschlands im Bundeskabinett moniert hatte.

Strohmann betont jedoch, es sei ihm nicht darum gegangen, Merz persönlich anzugreifen. „Es ging mir nicht darum, Friedrich Merz in den Senkel zu stellen. Auch wenn er das vielleicht so verstanden hat“, so Strohmann. Vielmehr störe ihn der Umgang der CDU-Spitze mit den ostdeutschen Landesverbänden. Diese stünden vor schwierigen Wahlen und müssten sich „regelmäßig onkelhaft erklären lassen, wie es besser geht“.

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Strohmann fordert Aufarbeitung der Wende-Fehler

Der gebürtige Rostocker, der in der DDR aufwuchs und 1989 ausgebürgert wurde, fordert eine ehrliche Aufarbeitung der Fehler im Zusammenhang mit der Wiedervereinigung. „Wir müssen endlich anfangen, unsere eigenen Fehler im Umgang mit der Wende aufzuarbeiten. Dann habe ich die Hoffnung, dass wir perspektivisch auch wieder Wähler in Ostdeutschland zurückgewinnen können“, sagte Strohmann. Die Wiedervereinigung sei eine historische Errungenschaft, auf die die CDU stolz sein dürfe. „Aber es wurden dabei eben auch Irrtümer begangen, die wir bis heute nicht anerkannt haben.“

Konkret nennt Strohmann die Arbeit der Treuhandanstalt, die nach der Wende die DDR-Planwirtschaft in die soziale Marktwirtschaft überführen sollte. „Bei der Treuhandanstalt ist nicht alles richtig gelaufen“, so der Bremer CDU-Chef. Auch die Rückgabe vergemeinschafteter Wohnungen in Ostdeutschland habe viel Vertrauen in den Staat zerstört. „Und bei der Rückgabe vergemeinschafteter Wohnungen in Ostdeutschland ist viel Vertrauen in den Staat kaputtgegangen“, bemängelte er weiter.

Reaktionen und Einordnung

Strohmanns Äußerungen kommen zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt für Merz, der sich nicht nur mit interner Kritik, sondern auch mit sinkenden Umfragewerten auseinandersetzen muss. Die Kritik aus den eigenen Reihen zeigt, dass der Unmut über den Führungsstil des Kanzlers wächst. Ob Strohmanns Forderung nach einer Aufarbeitung der Wende-Fehler Gehör findet, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die Debatte über die Ost-Vertretung in der Union ist neu entfacht.

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