Investment-Chef: SpaceX-Hype ist ein Warnsignal
Investment-Chef: SpaceX-Hype ist ein Warnsignal

Interview mit Anders Schelde: „Den Hype um SpaceX sehe ich als Warnsignal“

Anders Schelde, Investment-Chef der dänischen Pensionskasse Akademiker Pension, hat SpaceX auf die schwarze Liste gesetzt. Er kritisiert die Governance des Raumfahrtunternehmens als „katastrophal“ und warnt vor den Risiken des Hypes um den Rekord-Börsengang. Im Interview spricht er über seine Bedenken, die Bewertung von SpaceX und die zunehmende Skepsis gegenüber US-Investitionen.

Warum SpaceX auf der schwarzen Liste steht

Herr Schelde, viele Menschen investieren in SpaceX wegen des „Elon-Musk-Faktors“. Sie haben das Unternehmen auf die schwarze Liste gesetzt. Warum?

SpaceX ist ein fantastisches Technologieunternehmen, aber es birgt große Risiken. Wir haben uns entschieden, nicht zu investieren, vor allem wegen der schlechten Governance-Standards. In schwierigen Zeiten werden diese entscheidend. Die Mission von SpaceX ist riskant, und wir wollen uns nicht diesem Risiko aussetzen.

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Sie haben die Governance-Struktur als „katastrophal“ bezeichnet. Was sind Ihre größten Bedenken?

SpaceX hat die Rechte der Aktionäre extrem eingeschränkt. Elon Musk hält praktisch alle Stimmrechte, sodass ein Austausch des Managements unmöglich ist. Das wird zu einem enormen finanziellen Risiko, falls Probleme auftreten.

Bewertung von SpaceX: Zu hoch?

Nach dem ersten Handelstag wird SpaceX mit 2,1 Billionen Dollar bewertet. Ist das zu hoch?

Wir haben das Unternehmen analysiert und können nicht nachvollziehen, warum es mehr als eine Billion Dollar wert sein soll. Die Bewertung von 1,8 Billionen Dollar zum Ausgabepreis ist vor allem Musks starker Marke und seiner Vision geschuldet. Aber wir denken, dass dies zu weit getrieben wurde.

Sie haben auch Tesla auf Ihrer Ausschlussliste. Warum?

Aus zwei Gründen: wegen der Governance-Standards und des Umgangs mit Arbeitnehmerrechten. Bei SpaceX sind die Governance-Standards noch schlechter. Zudem könnte eine Fusion zwischen Tesla und SpaceX das Governance-Modell übertragen.

Indexaufnahme und Marktentwicklung

Die Nasdaq und andere Indexanbieter erlauben SpaceX eine frühe Aufnahme in ihre Indizes. Was halten Sie davon?

Ich halte das für einen großen Fehler. SpaceX wird so schnell in passiven Fonds verbreitet. Wenn sich in ein paar Jahren herausstellt, dass es eine schlechte Investition war, werden Privatanleger leiden. Es wäre besser, solche Unternehmen erst nach einer Phase der Preisfindung und einigen Quartalsergebnissen in die Indizes aufzunehmen.

Ist die Lockerung der Standards ein Zeichen von Überschwang?

Ja, es fühlt sich so an. Ich habe die Dotcom-Blase miterlebt. Manchmal erinnert mich die aktuelle Situation daran: Jeder will kaufen, ohne kritische Fragen zu stellen.

Glauben Sie, dass der SpaceX-Börsengang einen Höhepunkt markiert?

Das ist schwer zu sagen. Den Hype um SpaceX sehe ich als Warnsignal, aber ich glaube an die Vorteile von KI. Der Markt hat noch Luft nach oben für ein bis zwei Jahre.

Was könnte die KI-Euphorie beenden?

Einen Auslöser wie einen wirtschaftlichen Abschwung oder Zinserhöhungen der Fed wegen Inflationssorgen.

Investitionen in den USA und Europa

Sie haben im Januar alle Ihre US-Staatsanleihen verkauft. Warum?

Es war eine finanzielle Entscheidung. Wir sorgen uns um die fiskalische Lage in den USA mit steigenden Schulden und Herabstufungen durch Ratingagenturen.

Investieren Sie insgesamt weniger in den USA?

Die USA machen ein Drittel unseres Portfolios aus, aber es gibt ein Reputationsrisiko. Viele unserer Mitglieder sehen die USA kritisch. Wir werden weiterhin in den USA investiert sein, aber der Trend geht zu mehr Investitionen in Europa, um die europäische Eigenständigkeit zu fördern.

Wie politisch sollten Investitionsentscheidungen sein?

Wir sehen es als unsere Pflicht, die Ersparnisse unserer Mitglieder im Einklang mit ihren Werten zu investieren. Das hat zu mutigen Entscheidungen geführt, wie dem Ausschluss fossiler Unternehmen.

Verändert die aktive Rolle der US-Regierung an den Märkten Ihren Blick auf die USA?

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Früher hielten wir die USA für die beste freie Marktwirtschaft, aber jetzt sieht es manchmal nach Staatskapitalismus aus. Die Welt teilt sich in Blöcke, und das wirkt seltsam.

Herr Schelde, vielen Dank für das Interview.