Neue Air Force One: Boeing mit Milliarden-Verlust und Verzögerung
Neue Air Force One: Boeing mit Milliarden-Verlust

Der US-Flugzeugbauer Boeing leidet massiv unter dem milliardenschweren Auftrag für die neue „Air Force One“. Die Kosten für die beiden Präsidentenmaschinen laufen aus dem Ruder und haben den Konzern im zweiten Quartal 2026 tiefer in die roten Zahlen gedrückt, als Analysten erwartet hatten. Der Fehlbetrag beim Bau der Boeing 747-8 beträgt inzwischen mehr als eine Milliarde Dollar über dem ursprünglichen Budget, und die Auslieferung verzögert sich um vier Jahre. Nun sollen die Maschinen frühestens 2028 an die US-Regierung übergeben werden.

Finanzielle Einbußen und höhere Verluste

Der bereinigte Verlust je Aktie belief sich im zweiten Quartal auf 76 Cent – mehr als doppelt so viel wie die von Analysten im Schnitt prognostizierten 30 Cent. Vor einem Jahr hatte Boeing noch einen Verlust von 1,24 Dollar je Aktie verbucht. Der Nettoverlust sank hingegen von 612 Millionen auf 428 Millionen Dollar. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich um acht Prozent auf 24,6 Milliarden Dollar. Ein wesentlicher Belastungsfaktor waren erneute Abschreibungen auf das Präsidentenflugzeug in Höhe von 280 Millionen Dollar.

Air Force One: Fixpreis-Auftrag mit negativen Folgen

Die US-Regierung hatte 2018 zwei Maschinen des Typs Boeing 747-8 für einen Fixpreis von 3,9 Milliarden Dollar bestellt. Boeing verpflichtete sich damit zu einem Festpreisvertrag, der dem Unternehmen kaum Spielraum für Kostensteigerungen lässt. Inzwischen liegt der Auftrag allerdings vier Jahre hinter dem Zeitplan, und die Kosten übersteigen den vereinbarten Preis um mehr als eine Milliarde Dollar. Die Auslieferung, ursprünglich für 2024 vorgesehen, wurde nun auf 2028 verschoben. Präsident Donald Trump behilft sich in der Zwischenzeit mit einer 747-8, die ihm von Katar überlassen wurde.

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Positive Signale beim Free Cash Flow

Trotz der Verluste konnte Boeing im zweiten Quartal einen überraschend positiven Free Cash Flow vermelden. Dank höherer Anzahlungen von Kunden flossen dem Konzern netto 631 Millionen Dollar zu – ein deutlicher Anstieg gegenüber dem Vorjahresquartal, als noch 200 Millionen Dollar abgeflossen waren. Für das Gesamtjahr 2026 hält Boeing an dem Ziel fest, einen Free Cash Flow von einer bis drei Milliarden Dollar zu erwirtschaften. Es wäre das erste Mal seit 2023, dass diese Kennziffer wieder positiv ausfällt.

Hochlauf der 737-MAX-Produktion

Parallel zu den Problemen mit der „Air Force One“ treibt Boeing die Produktion seines erfolgreichen Mittelstreckenjets 737 MAX voran. Kurzfristiges Ziel sind 47 Auslieferungen pro Monat. Der Hochlauf soll dazu beitragen, die Liquidität weiter zu verbessern und die Schuldenlast zu reduzieren. Analysten sehen darin einen wichtigen Schritt, um das Vertrauen der Investoren zurückzugewinnen. Allerdings wurde kürzlich bekannt, dass die US-Luftfahrtbehörde FAA bei Hunderten Boeing 737 MAX lose Sitze beanstandet hatte – ein weiterer Rückschlag für den Hersteller.

Ausblick und Herausforderungen

Boeing steht vor enormen Herausforderungen. Neben den finanziellen Altlasten der „Air Force One“ belasten auch die anhaltenden Probleme mit der 737 MAX sowie die behördlichen Auflagen die Bilanz. Die Verzögerung bei den Präsidentenmaschinen könnte zudem politische Folgen haben, da der Auftrag ein Prestigeprojekt der US-Regierung darstellt. Mit dem neuen Liefertermin 2028 bleibt Boeing zumindest etwas Zeit, die Kosten in den Griff zu bekommen – allerdings sind weitere Abschreibungen nicht ausgeschlossen.

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