Wettbewerb auf der Schiene: Flixtrain und Italo fordern die Deutsche Bahn heraus
Die Deutsche Bahn bekommt im Fernverkehr neue Konkurrenz. Die Unternehmen Flixtrain und Italo planen, ihr Angebot in Deutschland massiv auszubauen. Für Fahrgäste könnte dies langfristig günstigere Tickets bedeuten. Allerdings gibt es noch erhebliche Hürden, insbesondere bei der Vergabe von Schienentrassen.
Flixtrain und Italo investieren Milliarden in neue Züge
Flixtrain, bisher vor allem im Busverkehr bekannt, will sein Schienennetz erweitern. Das Unternehmen hat für 2,4 Milliarden Euro neue Züge bestellt und plant, ab 2028 auch München anzubinden. Italo, ein italienischer Hochgeschwindigkeitsanbieter, will 3,6 Milliarden Euro investieren und Strecken von München nach Berlin, Hamburg, Köln und Dortmund anbieten. Beide Unternehmen hoffen auf einen zweistelligen Marktanteil im Fernverkehr.
Italo fordert langfristige Rahmenverträge für Trassen
Ein zentraler Streitpunkt ist die Vergabe der Schienentrassen. Italo verlangt längerfristige Rahmenverträge, um Planungssicherheit für ihre Milliardeninvestitionen zu haben. Die Netzgesellschaft InfraGO der Deutschen Bahn will solche Verträge jedoch erst ab 2031 ermöglichen. Italo hat daher bei der Bundesnetzagentur Beschwerde eingelegt. Die Behörde prüft derzeit, ob die aktuellen Vergabepraktiken fair sind.
Bundesnetzagentur prüft Zugang zum ICE-Netz
In einer achtstündigen Anhörung wurden die Infrastrukturnutzungsbedingungen (INB) der InfraGO diskutiert. Die Netzagentur bemängelt, dass es kein strukturiertes Verfahren zur Integration neuer Anbieter in den Hochgeschwindigkeitsverkehr gibt. Neben Trassen müssen auch Abstellanlagen, Ticketshops und Loungeflächen geregelt werden. Eine Entscheidung wird für Ende Juni erwartet.
Auswirkungen auf Fahrgäste und Ticketpreise
Italo verweist auf Erfahrungen aus Italien, wo der Wettbewerb zu einer Verdopplung des Hochgeschwindigkeitsverkehrs und einem Preisrückgang von 40 Prozent führte. Ähnliches erhoffen sich die Anbieter auch in Deutschland. Allerdings sind noch viele Fragen offen, etwa ob Reisen mit verschiedenen Anbietern durchgängig buchbar sein werden. Die Deutsche Bahn befürchtet zudem, dass weniger lukrative Strecken eingestellt werden könnten.
Bis 2028 könnte sich die Situation deutlich ändern. Ob die Fahrgäste tatsächlich von günstigeren Tickets profitieren, hängt auch von den politischen und regulatorischen Entscheidungen ab. Der Wettbewerb ist jedoch ein starkes Signal für mehr Auswahl und bessere Preise auf der Schiene.



