Bundeskabinett verabschiedet neue Start-up-Strategie mit Fokus auf Verteidigung
Neue Start-up-Strategie: Fokus auf Verteidigung und Wachstum

Das Bundeskabinett soll heute die neue „Startup- und Scaleup-Strategie“ der schwarz-roten Koalition verabschieden. Ziel ist es, junge innovative Unternehmen gezielt in ihrer Wachstumsphase zu unterstützen und zu verhindern, dass erfolgreiche Gründungen bei ihrer internationalen Expansion ins Ausland abwandern. Erstmals steht der Bereich Sicherheit und Verteidigung im Fokus der staatlichen Förderung, wie aus dem Strategiepapier hervorgeht, das der dpa vorliegt.

Ausbau des Deutschlandfonds zur Kapitalmobilisierung

Um das Nadelöhr beim Zugang zu dringend benötigtem Wachstumskapital zu weiten, plant der Bund unter anderem den Ausbau des Deutschlandfonds. Dieses Förder- und Absicherungsprogramm der Bundesregierung nutzt staatliche Garantien, um das Investitionsrisiko abzufedern und so bis zu 130 Milliarden Euro an privatem Kapital für Zukunfts- und Infrastrukturprojekte zu mobilisieren. Laut dem Strategiepapier sollen Wagniskapital-Investitionen künftig auch in der Altersvorsorge eine größere Rolle spielen. Zudem soll es Stiftungen erleichtert werden, verstärkt in Start-ups zu investieren.

Bürokratieabbau und europäische Rechtsform

Bei der Start-up-Förderung beabsichtigt die Bundesregierung, Bürokratie abzubauen. Das Projekt „Schneller Gründen“ soll Verwaltungsprozesse durchgängig digitalisieren. Auf europäischer Ebene soll eine einheitliche Rechtsform für Unternehmen dafür sorgen, dass grenzüberschreitende Aktivitäten spürbar erleichtert werden.

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Studie belegt dringenden Handlungsbedarf

Das aktuelle Start-up-Barometer der Beratungsgesellschaft EY untermauert den politischen Handlungsbedarf. Im ersten Halbjahr 2026 verzeichnet der hiesige Markt mit rund 5,3 Milliarden Euro an eingesammeltem Risikokapital zwar einen Anstieg von 14 Prozent gegenüber dem Vorjahr, jedoch sank die Anzahl der Finanzierungsrunden parallel um elf Prozent. Investoren stecken ihr Geld zunehmend in vermeintlich sichere Wetten und wenige Mega-Deals mit einem Volumen von über 50 Millionen Euro. Junge und kleine Start-ups haben im harten Wettbewerb um das Kapital oft das Nachsehen. Genau hier setzt die Strategie der Regierung an, um das Fundament der Gründerszene in der Breite zu stärken und den Kapitalzugang entlang aller Wachstumsphasen robuster aufzustellen.

Schwerpunkt bei Tech- und Verteidigungs-Start-ups

Besonders deutlich wird die Verzahnung von politischer Prioritätensetzung und Marktrealität im Technologiesektor. Technologiegetriebene Start-ups sind laut EY-Report die absoluten Lieblinge der Investoren, wobei neben dem Bereich Hardware auch Start-ups aus dem Verteidigungssektor mit Zuflüssen in Höhe von 579 Millionen Euro im ersten Halbjahr ein gewaltiges Interesse auf sich ziehen. Die Bundesregierung reagiert auf diese geopolitische und wirtschaftliche Dynamik, indem sie ein spezielles Direktbeteiligungsvehikel für Start-ups aus der Sicherheits- und Verteidigungsindustrie auflegt und den Zugang zu öffentlichen Aufträgen für junge Technologiefirmen erleichtert.

Fachkräftemangel adressiert

Da selbst die innovativsten Start-ups für ihr rasantes Wachstum dringend hoch qualifizierte Köpfe benötigen, adressiert das Papier abschließend auch den Fachkräftemangel. Durch flexiblere Kündigungsregeln für hoch vergütete Arbeitsverhältnisse und attraktivere steuerliche Rahmenbedingungen für die Mitarbeiterkapitalbeteiligung sollen deutsche Start-ups im globalen Kampf um die besten Talente künftig deutlich wettbewerbsfähiger agieren können.

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