Die Berichtssaison für das zweite Quartal 2026 ist in vollem Gange. Zahlreiche Konzerne aus unterschiedlichen Branchen haben ihre Zahlen vorgelegt – mit teils überraschenden Entwicklungen. Während einige Unternehmen wie Philips und LVMH die Erwartungen übertrafen, kämpfen andere wie TeamViewer oder Hyundai mit Gegenwind. Ein Überblick.
Medizintechnik: Philips übertrifft Erwartungen dank Zoll-Rückzahlungen
Der niederländische Medizintechnikkonzern Philips hat im zweiten Quartal die Markterwartungen deutlich übertroffen und seine Jahresprognose angehoben. Die bereinigte Ebita-Marge kletterte auf 16,4 Prozent, während Analysten im Schnitt mit 12,1 Prozent gerechnet hatten. Darin enthalten ist ein positiver Effekt aus US-Zollerstattungen von 4,2 Prozent. „Wir haben den Prozess der Zollerstattungen in den USA im Quartal weitgehend abgeschlossen“, erklärte Konzernchef Roy Jakobs. Für das Gesamtjahr erwartet Philips nun eine bereinigte Ebita-Marge von 13,5 bis 14,0 Prozent, nach zuvor 12,5 bis 13,0 Prozent. Der freie Cashflow soll auf 1,5 bis 1,7 Milliarden Euro steigen.
Luxusgüter: LVMH profitiert von reichen US-Kunden
Der französische Luxuskonzern LVMH verzeichnete im zweiten Quartal einen währungsbereinigten Umsatzanstieg von drei Prozent auf 19,5 Milliarden Euro. Besonders wohlhabende US-Kunden trieben die Erlöse: In den USA stiegen die Umsätze um sechs Prozent, angetrieben durch die neu geschaffene Kaufkraft aus dem KI- und Technologieboom. Weltweit besonders gefragt waren Uhren und Schmuck mit einem Plus von elf Prozent für Marken wie Tiffany und Bulgari. In Europa stagnierten die Erlöse nach einem Rückgang im ersten Quartal, als der Nahost-Konflikt den Tourismus belastet hatte. Der operative Gewinn sank im Halbjahr wegen Währungsschwankungen um vier Prozent auf 8,7 Milliarden Euro.
Telekommunikation: Vodafone wächst wieder, T-Mobile US hebt Prognose an
Beim britischen Telekomkonzern Vodafone wuchs die wichtige Deutschland-Tochter nach einem Durchhänger im Vorquartal wieder. Die Serviceumsätze legten im zweiten Quartal um knapp zehn Prozent auf 8,63 Milliarden Euro zu, in Deutschland um rund zwei Prozent auf 2,74 Milliarden Euro. „Wir sind gut in das Geschäftsjahr gestartet“, sagte Vodafone-Chefin Margherita Della Valle. Sie rechne daher mit einem Gesamtjahresergebnis am oberen Ende der Spanne. Für das Geschäftsjahr 2026/2027 stellt Vodafone ein Betriebsergebnis von 13 bis 13,3 Milliarden Euro in Aussicht.
Die Deutsche-Telekom-Tochter T-Mobile US verzeichnete dank der zunehmenden Beliebtheit hochpreisiger Tarife ein überraschend starkes Quartal. „Unter den Neukunden entscheiden sich 60 Prozent für unsere Premium-Angebote“, sagte Finanzchef Jon Freier. Der operative Gewinn übertraf mit 9,54 Milliarden Dollar die Prognosen. T-Mobile hob seine Prognose für den Free Cash Flow auf 18,4 bis 18,8 Milliarden Dollar an.
Automobilindustrie: Mercedes-Benz verbessert Ergebnis, Hyundai enttäuscht
Mercedes-Benz steigerte im zweiten Quartal das operative Ergebnis um 21,5 Prozent auf 1,55 Milliarden Euro, nach einem Einbruch um zwei Drittel im Vorjahr. Allerdings senkte der Autobauer seine Absatzprognose für Pkw: Statt eines stabilen Volumens erwartet das Unternehmen nun einen leichten Rückgang, begründet mit dem verschärften Marktumfeld und intensivem Wettbewerb in China. Konzernchef Ola Källenius kündigte an, im zweiten Halbjahr Kosten und Produktivität weiter zu verbessern.
Hyundai Motor verfehlte hingegen die Gewinnerwartungen. Der operative Gewinn sank um fast 21 Prozent auf 2,85 Billionen Won (rund 1,9 Milliarden Euro), während der Umsatz auf einen Rekordwert von 49,2 Billionen Won stieg. Belastet wurde das Ergebnis durch rückläufige weltweite Verkaufszahlen, insbesondere in Europa und China, sowie durch unsichere US-Politik und Konkurrenz chinesischer Hersteller.
Technologie: SAP senkt Ausblick, Intel profitiert von KI-Boom
Europas größter Softwarehersteller SAP steigerte im zweiten Quartal den Gewinn, senkte aber wegen zweier Zukäufe den Ausblick für das operative Ergebnis 2026. Das bereinigte operative Ergebnis stieg um sieben Prozent auf 2,74 Milliarden Euro, der Cloudumsatz zog um 22 Prozent an. SAP-Chef Christian Klein erwartet nun ein währungsbereinigtes Wachstum des operativen Ergebnisses von 13 bis 17 Prozent, nach zuvor 14 bis 18 Prozent.
Der Chipkonzern Intel profitierte von der boomenden Halbleiter-Nachfrage für KI-Rechenzentren. Der Umsatz sprang im zweiten Quartal um ein Viertel auf 16,1 Milliarden Dollar (14,15 Milliarden Euro) – das schnellste Wachstum seit Jahren. Analysten hatten im Schnitt nur mit 14,4 Milliarden Dollar gerechnet.
Weitere Unternehmen: Positive und negative Überraschungen
Der österreichische Kranhersteller Palfinger musste trotz eines Umsatzanstiegs um 2,3 Prozent einen Gewinnrückgang hinnehmen. Das operative Ergebnis sank um sieben Prozent auf 84,1 Millionen Euro. Um gegenzusteuern, legte das Unternehmen ein Sparprogramm auf: Ab 2027 sollen durch einfachere Strukturen und Künstliche Intelligenz jährlich 25 Millionen Euro eingespart werden.
Der Schweizer Bauchemiekonzern Sika hob seine Umsatzprognose an, senkte aber die Margenerwartungen. Der Umsatz stieg in lokalen Währungen um 4,0 Prozent, das Betriebsergebnis (Ebitda) erreichte eine Marge von 19,0 Prozent. Konzernchef Thomas Hasler erklärte, das Unternehmen habe trotz eines verhaltenen Marktes Marktanteile hinzugewonnen.
TeamViewer verzeichnete im zweiten Quartal einen währungsbereinigten Umsatzrückgang von 1,4 Prozent auf 182,7 Millionen Euro. Der operative Gewinn schrumpfte um neun Prozent auf 70,6 Millionen Euro, belastet durch Kundenabwanderung und negative Wechselkurseffekte.



