Russlands Geschäftsklima stürzt ab: Kreml beschwichtigt
Russlands Geschäftsklima stürzt ab – Kreml beschwichtigt

Der russische Geschäftsklimaindex ist im Juli 2026 auf minus 3,6 Punkte gefallen – den niedrigsten Stand seit Mitte 2022. Das geht aus einer am Mittwoch veröffentlichten Umfrage der Zentralbank hervor. Der Indikator verschlechterte sich damit um 4,5 Punkte im Vergleich zum Vormonat. Gleichzeitig stiegen die Preiserwartungen der Unternehmen deutlich an, was auf eine sich verschärfende wirtschaftliche Lage hindeutet.

Kreml-Sprecher Peskow: Schwierigkeiten nicht kritisch

Die russische Regierung räumte im fünften Jahr des Krieges gegen die Ukraine wirtschaftliche Probleme ein, beschwichtigte jedoch zugleich. „Diese Schwierigkeiten sind nicht kritisch“, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow. Die Regierung und Präsident Wladimir Putin wüssten, was zur Steuerung und Verbesserung der Lage zu tun sei. „Die makroökonomische Stabilität ist vollständig gewährleistet“, fügte er hinzu.

Peskow reagierte damit auf die Zentralbank-Umfrage, die eine deutliche Verschlechterung der Stimmung in den Unternehmen zeigt. Der Geschäftsklimaindex, der Werte zwischen minus 100 und plus 100 annehmen kann, rutschte erstmals seit 2022 wieder in den negativen Bereich.

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Experte warnt vor Stagflation

Der Investmentbanker und Wirtschaftsprofessor Jewgeni Kogan von der Moskauer Higher School of Economics wies darauf hin, dass es seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2002 nur fünf Monate gegeben habe, in denen sich der Indikator schneller verschlechtert habe. Ein Abrutschen in den negativen Bereich sei in der Vergangenheit mit Wirtschaftskrisen verbunden gewesen, erklärte der Professor.

Die steigenden Inflationserwartungen deuteten zudem auf einen starken Kostenanstieg hin. Dieser sei eine Folge der Treibstoffknappheit, die durch die zunehmenden ukrainischen Gegenangriffe auf russische Ölraffinerien verursacht werde. Damit will die Ukraine eine wichtige Einnahmequelle Russlands zur Finanzierung seines Angriffskriegs lahmlegen.

Stagflation als Gefahr für die Wirtschaft

„Im Ergebnis könnte die Kraftstoffkrise sowohl den Preisauftrieb beschleunigen als auch die Wirtschaft in eine Rezession stürzen“, schrieb Kogan auf seinem Telegram-Kanal. Eine solche Situation werde als Stagflation bezeichnet. Dies bringe die Zentralbank in ein Dilemma: Werde der Leitzins zur Bekämpfung der Inflation erhöht, könne dies die Wirtschaft abwürgen. Werde der Zins zur Stützung der Konjunktur gesenkt, werde sich die Inflation weiter beschleunigen. „Es muss etwas geopfert werden“, warnte der Experte.

Die russische Wirtschaft, die lange Zeit trotz westlicher Sanktionen widerstandsfähig schien, zeigt nun deutliche Risse. Lange Schlangen an Tankstellen sind seit vielen Wochen ein vertrautes Bild in Russland. Die Sorgen der Verbraucher vor steigenden Preisen wachsen. Der Kreml hingegen versichert, die Lage im Griff zu haben.

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