Die Online-Plattform Shein hat vor ihrem geplanten Börsengang in Hongkong erstmals detaillierte Geschäftszahlen veröffentlicht. Aus einer Mitteilung an der Hongkonger Börse geht hervor, dass das Unternehmen in den ersten drei Monaten des Jahres 2026 einen Verlust von 99 Millionen US-Dollar erlitten hat. Im Vorjahreszeitraum hatte Shein noch einen Gewinn von 395 Millionen Dollar erzielt. Der Umsatz stieg im selben Vergleichszeitraum lediglich um 1,1 Prozent auf 9,05 Milliarden Dollar.
Shein warnt vor Risiken für künftige Profitabilität
In der Mitteilung heißt es, es gebe keine Zusicherung, dass Shein auch in Zukunft profitabel bleiben werde. Das Unternehmen sei überzeugt, dass seine Geschäftstätigkeit mit Risiken verbunden sei, „von denen viele außerhalb unserer Kontrolle liegen“, so die Erklärung der in Singapur ansässigen Firma. Zu diesen Risiken zählt Shein unter anderem internationale Spannungen, die sich auf die globale Handelspolitik und damit auf den Produktverkauf auswirken könnten.
Staatliche Regulierung als Geschäftsrisiko
Der Onlinehändler führt explizit staatliche Regulierung als Risikofaktor an. Konkret nannte Shein die Aufhebung der „De-Minimis“-Regelung in den USA, die zuvor zollfreie Pakete ermöglichte. Diese Änderung habe zu steigenden Kosten geführt. Zudem verwies das Unternehmen auf eine neue EU-Regelung, die auch Pakete mit einem Warenwert unter 150 Euro mit Abgaben belegt. Beide Maßnahmen belasten das Geschäftsmodell von Shein, das auf besonders günstigen Preisen basiert.
Asiatische Shoppingplattformen wie Shein, Temu und AliExpress gewinnen in Deutschland zunehmend an Bedeutung. Vor allem die niedrigen Preise im Online-Modehandel machen die Anbieter bei Kunden attraktiv. Allerdings stehen die Plattformen auch in der Kritik: Politiker, Handelsvertreter und Verbraucherschützer monieren unter anderem die Produktqualität, mangelnde Kontrollen und unfaire Wettbewerbsbedingungen.
Logistikkosten unter Druck
Shein verschickt seine Fracht aus China direkt von den Herstellern aus, in der Regel per Flugzeug in alle Welt. Druck auf die Logistikkosten kam in den vergangenen Monaten durch den Irankrieg und gestiegene Rohölpreise. Allerdings verwies Shein auf langfristige Vereinbarungen, durch die Luftfrachtkapazitäten gesichert werden konnten. Die Geschäftsführung sehe durch den Konflikt keine wesentlichen Auswirkungen auf das Geschäft, hieß es in der Mitteilung.
Wann Sheins Erstnotiz am Finanzplatz Hongkong geplant ist, bleibt unklar. Die Mitteilung vom Sonntag gibt potenziellen Investoren und Anlegern erstmals seit Bekanntwerden des angestrebten Börsengangs einen Einblick in die finanzielle Lage des Unternehmens. Shein, bekannt für seine Ultra-Fast-Fashion-Produkte, will mit dem Börsengang neue Kapitalquellen erschließen. Die schwierigen Zahlen könnten jedoch das Interesse der Anleger dämpfen.



