Der frühere ThyssenKrupp-Manager Harald Espenhahn, der wegen eines verheerenden Werksbrands mit sieben Todesopfern zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt wurde, übernimmt überraschend den CEO-Posten bei dem Essener Stahlkonzern. Wie BILD exklusiv erfuhr, soll Espenhahn bereits in den kommenden Wochen sein neues Amt antreten. Die Entscheidung stößt in der Öffentlichkeit und bei Arbeitnehmervertretern auf heftige Kritik.
Das Werksunglück: Sieben Tote und eine Katastrophe
Im Jahr 2022 ereignete sich in einem ThyssenKrupp-Werk in Italien ein schwerer Brand, bei dem sieben Arbeiter ums Leben kamen. Espenhahn war damals Italien-Chef des Konzerns und trug nach Überzeugung des Gerichts die Verantwortung für gravierende Sicherheitsmängel. Im Jahr 2025 wurde er wegen fahrlässiger Tötung und Verstoßes gegen Arbeitsschutzvorschriften zu drei Jahren Haft verurteilt. Das Urteil sorgte international für Aufsehen.
Karriere trotz Verurteilung
Doch Espenhahn ließ sich nicht unterkriegen. Bereits während der Haftzeit bemühte er sich um eine berufliche Rehabilitierung. ThyssenKrupp bestätigte nun, dass Espenhahn ab August 2026 die Konzernführung übernehmen wird. „Herr Espenhahn hat seine Strafe verbüßt und verfügt über herausragende Führungsqualitäten. Wir vertrauen auf seine Erfahrung“, erklärte ein Unternehmenssprecher. Die genauen Aufgaben und das genaue Startdatum wurden nicht genannt.
Reaktionen: Empörung und Unverständnis
Die Entscheidung von ThyssenKrupp löst breite Empörung aus. Die IG Metall kritisierte die Berufung scharf. „Es ist ein Skandal, dass ein verurteilter Manager, der für den Tod von sieben Menschen mitverantwortlich ist, nun die höchste Position im Konzern bekleiden soll. Das ist ein Schlag ins Gesicht der Opfer und ihrer Familien“, sagte ein Sprecher. Auch die Staatsanwaltschaft zeigte sich befremdet.
ThyssenKrupp verteidigt Personalie
ThyssenKrupp betont dagegen, dass Espenhahn nach Verbüßung seiner Strafe wieder voll rehabilitiert sei und keine rechtlichen Hinderungsgründe mehr vorlägen. Man setze auf seine Expertise im internationalen Stahlgeschäft. „Espenhahn hat in den Jahren vor dem Unglück wesentlich zum Erfolg des Konzerns beigetragen. Wir sind überzeugt, dass er die richtige Führungspersönlichkeit für die Zukunft ist“, so der Sprecher.
Ausblick: Unruhige Zeiten für ThyssenKrupp
Die Berufung Espenhahns dürfte das Verhältnis zu Gewerkschaften und Teilen der Belegschaft weiter belasten. Bereits in der Vergangenheit gab es Spannungen wegen Sparkursen und Werksschließungen. Ob der Konzern mit dieser Entscheidung langfristig Stabilität gewinnen kann, bleibt fraglich. Fest steht: Der Skandal um den Werksbrand wird ThyssenKrupp noch lange begleiten.



