Staatszuschüsse für das Großbordell Artemis in Berlin
Das Berliner Großbordell Artemis hat offenbar während der Coronakrise staatliche Hilfen in Millionenhöhe erhalten. Laut der EU-Beihilfentransparenzdatenbank flossen an die Artemis GmbH rund 1,75 Millionen Euro. Diese Gelder wurden zur „Behebung einer beträchtlichen Störung im Wirtschaftsleben eines Mitgliedstaats“ bewilligt. Die Investitionsbank Berlin (IBB) war für die Bewilligung zuständig, wie ein Sprecher der Bank gegenüber der „Bild“-Zeitung bestätigte. Die Zahlungen erfolgten zwischen Dezember 2020 und Juni 2022 in insgesamt sieben Tranchen.
Details der Zahlungen
Die höchsten Beträge wurden im Jahr 2021 ausgezahlt: Im März flossen 626.643 Euro, im Juni 513.617 Euro. Eine Tranche von 187.522 Euro stammt aus der „Fixkostenhilfe 2020 – DE – Covid“. Die Gelder kamen aus verschiedenen Corona-Hilfsprogrammen des Bundes. Ob die Betreiber die Zuschüsse vollständig behalten dürfen, ist unklar. Der Geschäftsführer wollte sich dazu nicht äußern.
Hintergrund der Coronahilfen
Die staatlichen Hilfen sollten die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie abfedern. Sie umfassten einmalige, nicht rückzahlbare Zuschüsse für kleine Betriebe zur Deckung laufender Betriebskosten sowie Überbrückungshilfen, die einen prozentualen Anteil der Fixkosten erstatteten, abhängig vom Umsatzrückgang.
Das Artemis – einer der größten FKK- und Saunaclubs Deutschlands
Das Artemis im Berliner Ortsteil Halensee zählt zu den größten FKK- und Saunaclubs in Deutschland. Besucher zahlen einen festen Tageseintrittspreis. Sexuelle Dienstleistungen werden separat mit den dort arbeitenden Frauen verhandelt und abgerechnet. Diese sind nicht beim Club angestellt, sondern arbeiten selbstständig und zahlen in der Regel ebenfalls einen Eintritt, um ihre Dienste anbieten zu dürfen.
Rechtsstreit und Razzia 2016
Im April 2016 gab es eine groß angelegte Razzia im Artemis, bei der Hunderte Polizisten, Zollfahnder und Staatsanwälte das Bordell durchsuchten. Mehrere Verdächtige wurden festgenommen, und die Staatsanwaltschaft sprach von Verbindungen zur Organisierten Kriminalität. Die Vorwürfe erwiesen sich jedoch als unbegründet. Ende 2018 ließ das Berliner Landgericht die Anklage nicht zu. Die Stadt entschuldigte sich und zahlte 250.000 Euro Entschädigung. Die Betreiber spendeten dieses Geld zusammen mit 100.000 Euro aus eigenem Vermögen an das Virchow-Klinikum in Berlin.



