Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (Bafin) geht verstärkt gegen unseriöse Finanz-Influencer in sozialen Medien vor. In einem Gastbeitrag für „Business Insider Deutschland“ betont Exekutivdirektor Thorsten Pötzsch, dass auch sogenannte Finfluencer gemeinsam mit ihren Auftraggebern einer besonderen Verantwortung gerecht werden müssten. Wer sich auf Plattformen wie Instagram, TikTok oder YouTube zu Finanzthemen äußere, befinde sich keinesfalls in einem rechtsfreien Raum.
Studie: Jüngere Nutzer sehen Finfluencer als Beratungsalternative
Pötzsch zitiert eine hauseigene Studie, wonach Finanz-Influencer für rund 60 Prozent der jüngeren Social-Media-Nutzer eine gute Alternative zur professionellen Finanzberatung darstellen. Aus Sicht des Bafin-Direktors können diese Influencer durchaus wertvolle Arbeit leisten. „Klar ist aber auch: Nicht alle Finfluencer sind seriös. Auch in diesem Markt gibt es schwarze Schafe.“ Die Behörde beobachtet demnach mit Sorge, dass viele junge Menschen den Empfehlungen von Influencern blind vertrauen, ohne deren Motivation oder mögliche Vergütungen zu hinterfragen.
Bezahlte Tipps und versteckte Interessenkonflikte
Vielen Nutzern sei nicht bewusst, dass die Influencer für ihre Tipps oft bezahlt würden, warnt Pötzsch. Finfluencer müssten Honorare oder mögliche Interessenkonflikte klar offenlegen sowie wahrheitsgemäß über Risiken informieren. Wer Anlageberatung oder die Vermittlung von Finanzprodukten anbiete, müsse sich zudem bei der Bafin registrieren lassen. Ohne diese Zulassung drohen empfindliche Strafen – bis hin zu Freiheitsstrafen bei vorsätzlicher Täuschung. Die Aufsicht verweist in diesem Zusammenhang auf bestehende Vorschriften wie das Wertpapierhandelsgesetz, das Verbot von Marktmanipulation und Insiderhandel.
Bafin setzt auf Aufklärung statt neuer Gesetze
Trotz der wachsenden Bedeutung von Finfluencern hält die Bafin zusätzliche Regulierung für nicht notwendig. Stattdessen will die Behörde die Verbraucheraufklärung ausbauen. „Verbraucherinnen und Verbraucher sollten wissen, woran sie gute Inhalte erkennen können und auch, wann die Alarmglocken schrillen sollten“, so Pötzsch. Geplant sind unter anderem leicht verständliche Leitfäden und Warnhinweise auf den Social-Media-Kanälen der Bafin.
Dialog mit Influencern und Kontrolle der Auftraggeber
Parallel zur Verbraucherbildung will die Aufsicht die Auftraggeber der Influencer – etwa Banken, Fintechs oder Emittenten von Kryptowerten – genauer kontrollieren. Mit den Finfluencern selbst möchte die Bafin in den direkten Austausch treten. Dazu lädt sie die wichtigsten Akteure für Oktober nach Frankfurt ein. Ziel ist es, für die Einhaltung der Regeln zu sensibilisieren und gemeinsam Standards zu entwickeln. Wer sich bereits jetzt strafbar mache, müsse jedoch mit Konsequenzen rechnen, betonte Pötzsch abschließend.



