BGH verhandelt über Schufa-Score: Mehr Transparenz gefordert
Wer eine Wohnung mieten, auf Rechnung kaufen oder einen Kredit aufnehmen möchte, kommt am Schufa-Score oft nicht vorbei. Doch wie dieser wichtige Wert genau zustande kommt, ist für viele Verbraucher undurchsichtig. Der Bundesgerichtshof (BGH) verhandelt heute darüber, ob die Auskunftei ihre Berechnungsmethode offenlegen muss. Ein Urteil wird noch nicht erwartet.
Was ist der Schufa-Score?
Die Schufa ist ein privates Unternehmen, das Daten sammelt, um die Kreditwürdigkeit von Personen zu bewerten. Anhand von Score-Werten zwischen 100 und 999 schätzt sie ein, wie wahrscheinlich Zahlungsausfälle sind. Je höher der Wert, desto bonitätsstärker gilt eine Person. Grundlage sind Informationen über Konten, Kredite und Zahlungsverhalten.
Woher stammen die Daten?
Die Schufa erhält Daten von Vertragspartnern wie Banken und Händlern, etwa über Girokonten, Kreditkarten oder Leasingverträge. Negative Einträge kommen aus öffentlichen Schuldnerverzeichnissen. Persönliche Daten wie Name und Adresse werden gespeichert, das Einkommen jedoch nicht erfasst. Verbraucher können eine Datenkopie anfordern, um zu sehen, welche Informationen gespeichert sind und an wen sie weitergegeben wurden. Eine Umfrage von Verivox zeigt jedoch, dass 55,6 Prozent der Deutschen ihren Score noch nie abgerufen haben.
Wie wird der Score berechnet?
Der Schufa-Score galt lange als Blackbox. Seit dem 17. März 2026 nutzt die Schufa ein neues Verfahren mit zwölf Kriterien, darunter das Alter des ältesten Bankvertrags, Zahlungsstörungen und Kreditstatus. Der Score reicht von 100 bis 999; ab 779 Punkten gilt die Bewertung als hervorragend. Bis Ende 2028 soll der alte Score vollständig ersetzt werden.
Worum geht es in Karlsruhe?
Fünf Privatpersonen haben geklagt, weil sie die Auskunft der Schufa über ihren Score für unzureichend halten. Sie berufen sich auf die Europäische Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO). Der BGH prüft, ob die Schufa ihre Datenkopie anpassen muss. Das Oberlandesgericht Dresden hatte die Schufa verurteilt, mehr Informationen zur Gewichtung der Kriterien offenzulegen. Die Schufa sieht ihre Praxis dagegen als rechtmäßig an und verweist auf zahlreiche Urteile anderer Gerichte.
Was sagt die DSGVO?
Laut DSGVO haben Betroffene bei automatisierten Entscheidungen Anspruch auf Informationen über die involvierte Logik. Der Europäische Gerichtshof (EuGH) entschied 2023, dass der Schufa-Score unter diese Regelung fällt, wenn er maßgeblich für Kreditentscheidungen ist.
Wie geht es weiter?
Sollte der BGH das Urteil aus Dresden bestätigen, müsste die Schufa ihre Datenkopie anpassen. Unabhängig davon tritt im November eine Novelle des Bundesdatenschutzgesetzes in Kraft, die mehr Transparenz vorschreibt: Künftig müssen alle in den letzten zwölf Monaten berechneten Score-Werte sowie die wichtigsten Einflussfaktoren offengelegt werden. Die Schufa betont, dass ihr neues Verfahren diese Anforderungen bereits übertrifft.



