In Merching wird über die Einführung digitaler Wasserzähler mit Funktechnik debattiert. Die Gemeinde im Landkreis Aichach-Friedberg erwägt, ihre bestehenden Wasserzähler durch moderne Geräte zu ersetzen, die den Verbrauch automatisch per Funk übertragen. Nach Angaben der Gemeindeverwaltung müssen rund 2.000 Messeinrichtungen in den kommenden Jahren ohnehin erneuert werden. Das macht die Umstellung zu einer naheliegenden Option, stößt aber auch auf Kritik.
Die alten Zähler werden bisher jährlich durch Ableser erfasst, die dafür jeden Haushalt besuchen. Das ist aufwendig und fehleranfällig. Die neuen Geräte sollen die Verbrauchsdaten regelmäßig und direkt an den Wasserversorger senden. Damit können Verbräuche tagesgenau abgerechnet werden und der Kunde bekommt jederzeit Auskunft über seinen Wasserverbrauch. Die Technik ist in vielen Städten bereits Standard und gilt als zuverlässig.
Bereits im vergangenen Jahr wurden die ersten digitalen Wasserzähler in städtischen Gebäuden in Merching montiert. Sie laufen störungsfrei und liefern erste Erfahrungswerte. Auf dieser Basis sollen die technischen Anforderungen für die neue Generation von Zählern festgelegt werden.
Wie die Funktechnik funktioniert
Die digitalen Wasserzähler messen den Durchfluss wie ihre Vorgänger, senden die Daten jedoch über ein Funknetz an eine zentrale Empfangsstation. Die Übertragung erfolgt in festgelegten Intervallen, meist alle 15 Minuten bis mehrere Stunden. Sogenannte Smart Meter ermöglichen sogar die Zustandsüberwachung: Steht ein Verbrauch auffällig hoch, kann ein Alarm ausgelöst werden. Auch kleinere Leckagen in der Hausinstallation könnten so schneller entdeckt werden. Das schützt vor Wasserschäden und vermeidet unnötigen Wasserverlust.
Die Funktechnik bietet für Verbraucher mehr Komfort: Es entfallen Ablesetermine, und die Abrechnung basiert auf realen Werten statt Schätzungen. Mieter müssen keine Termine mit dem Ableser vereinbaren, Eigentümer können den Verbrauch ihrer Immobilie online einsehen. Die Gemeinde Merching könnte zudem die Personalkosten für Ableser sparen. Eine Auswertung von Pilotprojekten aus anderen bayerischen Kommunen zeigt, dass die Betriebskosten der Wasserversorgung durch automatische Ablesung um bis zu 20 Prozent sinken können. Diese Zahl nennt ein Arbeitskreis der Gemeindeverwaltung in einer internen Stellungnahme.
Vorteile für die Wasserversorgung
Der Umstieg auf digitale Wasserzähler verspricht nicht nur eine einfachere Abrechnung. Die Wasserwerke können den Netzbetrieb besser überwachen. Sinkt der Wasserdruck unerwartet, deutet das auf eine Leckage hin. Solche Störungen könnten durch die kontinuierliche Messung schneller lokalisiert werden. Das verringert Wasserverluste und schützt das Rohrnetz. Auch die Verbrauchserfassung wird genauer, was zu einer gerechteren Verteilung der Kosten führen kann.
Die Gemeindeverwaltung Merching betont zudem den Aspekt der Zukunftsfähigkeit. Das Wasserzählernetz der Gemeinde ist in die Jahre gekommen. Ein schrittweiser Austausch sei ohnehin nötig. Wer jetzt auf Funktechnik setze, investiere in eine Technologie, die langfristig Standard sein dürfte. Das sieht auch der Arbeitskreis Wasserversorgung so, der die Vor- und Nachteile eingehend geprüft hat.
Datenschutz und Kosten: Die Nachteile
Der Datenschutz bleibt der größte Kritikpunkt. Kritiker befürchten, dass aus den Funkdaten ein detailliertes Profil des Alltagslebens erstellt werden kann. Die Messwerte zeigen etwa, zu welchen Zeiten geduscht wird, ob jemand über Wochen abwesend ist oder ob eine Familie besonders viel Wasser verbraucht. Ohne strenge Vorgaben könnten diese Daten missbraucht werden, warnen Verbraucherschützer. Die Gemeindeverwaltung versichert in einer ersten Stellungnahme: „Die Funktechnik ermöglicht eine zeitnahe und transparente Verbrauchserfassung. Die Daten werden ausschließlich an den beauftragten Zweckverband übertragen und nicht an Dritte weitergegeben.“
Auch die Finanzierung spielt eine Rolle. Die Anschaffung und Installation der neuen Zähler verursacht nach Schätzung der Verwaltung Kosten im sechsstelligen Bereich. Zusammen mit der nötigen Software könnte die Gemeinde Merching mit Investitionen von mindestens 200.000 Euro rechnen. Diese Ausgaben werden in der Regel über die Wassergebühren refinanziert. Für einen durchschnittlichen Vier-Personen-Haushalt könnte das eine jährliche Mehrbelastung von zehn bis zwanzig Euro bedeuten. Kritiker sagen, diese Kosten seien unverhältnismäßig, solange die Vorteile nicht konkret belegt sind.
Wie geht es in Merching weiter?
Um die Gemüter zu beruhigen, will die Gemeinde den Bürgern das Vorhaben transparent präsentieren. Geplant ist eine Informationsveranstaltung, bei der Fachleute die Funktionsweise erklären und über Datenschutzfragen diskutieren. Der Gemeinderat möchte außerdem prüfen, ob ein Widerspruchsrecht für Haushalte eingeführt werden kann. Eine Option wäre, dass Verbraucher der Funkübertragung widersprechen können und dann manuell abgelesen werden. Eine solche Lösung wird in einigen Kommunen bereits praktiziert.
Die Entscheidung soll bis Ende des Jahres fallen. Die Verwaltung hofft, mit den neuen Zählern nicht nur die Infrastruktur zu modernisieren, sondern auch eine Grundlage für intelligente Netze zu schaffen. Wenn die Versorgung smarter wird, könnten künftig auch sparsame Tarife angeboten werden. In einer Pressemitteilung der Gemeinde heißt es: „Merching will die Chancen der Digitalisierung nutzen, aber auch die Sorgen der Bürger ernst nehmen.“ Der weitere Prozess wird zeigen, ob die Funktechnik sich in der Gemeinde durchsetzen kann.



