Ein weißer Golf biegt mit hohem Tempo an der Auffahrt Treptower Park auf die Autobahn ein. Bei Tempo 100 schlingert er auf der rechten Spur hin und her, bis er am Dreieck Neukölln auf die A113 wechselt. Auf der schnurgeraden Piste stadtauswärts zieht er nach links und beschleunigt deutlich. Dass ihm eine schwarze Limousine folgt, bemerkt der Fahrer nicht.
Verdeckte Ermittlung im Videowagen
Die schwarze Limousine ist ein ziviler Videowagen der Berliner Autobahnpolizei. Ausgestattet mit Kameras und Messtechnik, verfolgen die Beamten den Golf unauffällig. Das Ziel: Raser und Drängler auf Berlins Autobahnen überführen. Die Beamten dokumentieren jede Bewegung, um später vor Gericht stichhaltige Beweise zu liefern.
Der Golffahrer wechselt mehrfach die Spur, ohne zu blinken, und hält dabei kaum Abstand zum Vordermann. Die Polizisten im Videowagen notieren sich Kennzeichen, Uhrzeit und Streckenabschnitt. Ihre Aufnahmen dienen als Grundlage für Bußgeldverfahren und Fahrverbote. Die Beamten betonen, dass es ihnen nicht um Abzocke gehe, sondern um die Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer.
Raser als Unfallursache Nummer eins
Überhöhte Geschwindigkeit ist eine der häufigsten Unfallursachen auf Autobahnen. Laut Polizeistatistik waren im vergangenen Jahr in Berlin mehrere schwere Unfälle auf zu schnelles Fahren zurückzuführen. Die Zivilstreife soll abschreckend wirken und die Zahl der Unfälle reduzieren.
Während der nächtlichen Streife beobachten die Beamten nicht nur Raser, sondern auch Drängler, die dicht auffahren und mit Lichthupe zum Überholen drängen. Solche Verhaltensweisen gelten als Nötigung und können mit hohen Geldstrafen und sogar Haftstrafen geahndet werden. Die Polizisten schildern, dass viele Fahrer sich der Gefahr nicht bewusst seien, die von ihrem Verhalten ausgehe.
Technik und Taktik der Zivilfahnder
Der Videowagen ist mit modernster Technik ausgestattet: hochauflösende Kameras, ein geeichtes Messsystem und ein Computer zur Auswertung der Daten. Die Beamten können Geschwindigkeit und Abstand präzise messen, auch bei Dunkelheit und schlechtem Wetter. Die Aufzeichnungen werden gespeichert und können vor Gericht verwendet werden.
Die Taktik der Zivilfahnder ist es, möglichst unauffällig zu bleiben. Der Wagen ist nicht als Polizeifahrzeug erkennbar, und die Beamten tragen Zivilkleidung. Sie mischen sich unter den Verkehr und warten auf Verstöße. Oft folgen sie Verdächtigen über mehrere Kilometer, um ein klares Bild zu bekommen.
Die Nacht der Kontrollen
In der Nacht, die wir begleiten, stoppt die Streife mehrere Fahrzeuge. Ein junger Fahrer wird mit 180 km/h in einer Zone mit 80 km/h gemessen. Er muss seinen Führerschein sofort abgeben und wird angezeigt. Ein anderer Fahrer hatte fast keinen Abstand zum Vordermann – auch er wird zur Rede gestellt.
Die Beamten zeigen sich professionell, aber auch nachdenklich. Viele der gestoppten Fahrer sind junge Männer, die die Gefahr unterschätzen. Die Polizisten appellieren an die Vernunft der Autofahrer und weisen auf die Konsequenzen hin. Sie hoffen, dass ihre Arbeit dazu beiträgt, das Bewusstsein für sicheres Fahren zu schärfen.
Bilanz einer Nacht
Am Ende der Schicht ziehen die Beamten Bilanz: mehrere Anzeigen wegen Geschwindigkeitsüberschreitung, eine Anzeige wegen Nötigung, zwei Fahrverbote. Die Zahl der Kontrollen ist beeindruckend, doch die Polizisten wissen, dass es nur ein Tropfen auf den heißen Stein ist. Sie appellieren an alle Verkehrsteilnehmer, die Regeln zu respektieren und Rücksicht zu nehmen.
Die nächtliche Streife mit der Autobahnpolizei zeigt: Die Polizei ist wachsam, auch wenn man sie nicht immer sieht. Die Zivilfahnder leisten einen wichtigen Beitrag zur Verkehrssicherheit auf Berlins Straßen.



