Edeka-Chef: Kunden und Mitarbeiter klauen 100.000 Euro jährlich
Edeka-Chef: Kunden und Mitarbeiter klauen 100.000 Euro

Die Lage in einem Münchner Supermarkt eskaliert: In seinem Edeka-Markt in den Riem-Arcaden erlebt Chef Hajrudin Jusic täglich, wie dreist gestohlen wird. Nicht nur Kunden greifen zu – auch eigene Mitarbeiter sind beteiligt. Allein im vergangenen Jahr summierte sich der Schaden laut Jusic auf rund 100.000 Euro. Zehn Angestellte wurden bereits entlassen, wie der Kaufmann auf Nachfrage bestätigt.

Alkohol, Wocheneinkauf, Einkaufswagen – Diebe scheuen vor nichts zurück

Die Täter schlagen offenbar nach einem festen Muster zu. Besonders häufig verschwinden hochpreisige Alkoholika, aber auch komplette Wocheneinkäufe werden an der Kasse vorbeigeschleust. Selbst Einkaufswagen sind vor den Dieben nicht sicher. Nach Angaben von Jusic handelt es sich nicht um Gelegenheitsdiebstähle, sondern um organisiertes Vorgehen, bei dem teils ganze Kartons aus dem Lager getragen werden.

Doch das eigentliche Problem liegt für den Marktchef woanders: Er fühlt sich von der Justiz im Stich gelassen. Selbst wenn Täter erwischt und angezeigt werden, bleiben die Konsequenzen aus seiner Sicht zu oft aus. „Die Verfahren werden eingestellt oder enden mit milden Strafen“, beklagt Jusic – eine Aussage, die viele Einzelhändler in der Branche teilen dürften.

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Mitarbeiter als Täter: Vertrauensbruch mit Folgen

Besonders bitter: Der Diebstahl durch Angestellte. In den vergangenen Monaten seien zehn Mitarbeiter überführt und entlassen worden, so Jusic. Das Ausmaß sei erst durch den Abgleich von Kassenbuchungen und Lagerbeständen aufgefallen. Die gestohlenen Waren wurden nicht selten über das Gelände der Arcaden in private Fahrzeuge gebracht.

Für den Marktleiter ist der Fall ein Warnsignal, das weit über seinen Laden hinausweist. Er fordert härtere Strafen und eine schnellere Justiz. Andernfalls seien Supermärkte faktisch schutzlos – denn Sicherheitspersonal und Kameras kosteten zusätzlich, während die Margen im Lebensmittelhandel ohnehin gering seien.

Ein Fall mit Signalwirkung für die ganze Branche

Die Erfahrungen aus den Riem-Arcaden dürften viele andere Händler nur allzu gut kennen. Jusic beziffert den jährlichen Verlust auf 100.000 Euro – eine Summe, die für einen einzelnen Markt erheblich ist. Hochgerechnet auf die Branche ergibt sich ein Milliardenschaden durch Ladendiebstahl in Deutschland. Der Einzelhandelsverband HDE beziffert den jährlichen Schwund regelmäßig auf mehrere Milliarden Euro, wobei ein wachsender Anteil auf organisierte Banden entfällt.

Was in München passiert, zeigt exemplarisch, wie sehr die Kriminalität im Einzelhandel zugenommen hat. Die Hemmschwelle sinkt, die Tatgelegenheiten steigen. Jusic hat Konsequenzen gezogen: Er will nun verstärkt auf Detekteien und technische Sicherheitslösungen setzen. Doch ohne Unterstützung von Justiz und Politik, so seine Botschaft, werde sich an der Spirale aus Diebstahl und Kontrollverlust nichts ändern.

Hintergrund: Edeka-Markt in den Riem-Arcaden

Die Riem-Arcaden sind ein bekanntes Einkaufszentrum im Münchner Stadtteil Trudering-Riem. Der Edeka-Markt von Hajrudin Jusic ist dort eine der größten Lebensmittelanlaufstellen. Die Vorfälle ereigneten sich über einen längeren Zeitraum; erst durch interne Ermittlungen konnten die zehn Mitarbeiter entlassen werden. Laut Jusic wurden alle Fälle zur Anzeige gebracht – ob es zu Verurteilungen kommt, ist angesichts der Überlastung der Justiz ungewiss.

Der Fall wird in der Branche aufmerksam verfolgt. Er wirft Fragen auf nach der Wirksamkeit des Strafrechts im Umgang mit Eigentumsdelikten und nach der Verantwortung von Arbeitgebern, die ihre eigenen Mitarbeiter nicht mehr kontrollieren können, ohne deren Vertrauen zu verspielen.

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