Energy Sharing: Solarstrom an Nachbarn verkaufen
Wer eine Photovoltaikanlage auf dem Dach hat, kennt das Problem: An sonnigen Tagen wird oft mehr Strom produziert, als man selbst verbrauchen oder im Speicher für bewölkte Zeiten aufbewahren kann. Bisher blieb nur die Einspeisung ins öffentliche Netz gegen eine geringe Vergütung. Doch seit dem 1. Juni 2026 hat sich das geändert. Mit der Einführung des sogenannten Energy Sharings (deutsch: Energie teilen) können Hausbesitzer ihren überschüssigen Solarstrom nun direkt an Nachbarn oder andere Haushalte in der Nähe verkaufen. Das spart beiden Seiten bares Geld und fördert die Energiewende.
Was ist Energy Sharing?
Energy Sharing bezeichnet die Bildung einer Stromgemeinschaft, in der mehrere Haushalte ihren selbst erzeugten Solarstrom untereinander teilen. Wer mehr Strom produziert, als er selbst benötigt, kann diesen zu einem selbst festgelegten Preis an andere Mitglieder der Gemeinschaft verkaufen. Der Vorteil liegt auf der Hand: Während die Einspeisevergütung für Solarstrom ins öffentliche Netz meist nur zwischen 6,7 und 7,8 Cent pro Kilowattstunde (kWh) beträgt, liegt der Marktpreis für Strom aus der Steckdose bei etwa 25 bis 40 Cent pro kWh. Beim Energy Sharing kann der Verkäufer seinen Strom beispielsweise für 15 Cent pro kWh anbieten. Das ist für den Käufer deutlich günstiger als der übliche Tarif, und der Verkäufer erhält mehr als die Einspeisevergütung. Wichtig ist, dass der vereinbarte Preis inklusive aller Nebenkosten, Netzentgelte und Abgaben unter dem üblichen Marktpreis liegt.
Wie funktioniert Energy Sharing?
Entgegen mancher Annahme muss kein separates Kabel zwischen den Häusern verlegt werden. Der Strom fließt weiterhin über das öffentliche Stromnetz. Allerdings ist eine moderne Technik erforderlich: In beiden Haushalten müssen intelligente Stromzähler, sogenannte Smart Meter, installiert sein. Diese erfassen die Stromerzeugung und den Verbrauch im Viertelstundentakt und ermöglichen so eine genaue Abrechnung. Ohne Smart Meter ist Energy Sharing nicht möglich.
Aktuelle Hürden
Trotz der neuen gesetzlichen Grundlagen gibt es noch Hindernisse. Smart Meter sind noch nicht flächendeckend in deutschen Haushalten installiert. Zudem ist es Privatpersonen nicht erlaubt, selbst einen Smart Meter einzubauen – dies ist Aufgabe des Messstellenbetreibers. Auch die Abrechnungsmodalitäten und der organisatorische Austausch zwischen den Beteiligten sind noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sind hierfür weitere Vorgaben der Bundesnetzagentur erforderlich.
Zukunftsaussichten
Energy Sharing könnte ein wichtiger Baustein der Energiewende werden, da überschüssiger Solarstrom unkompliziert lokal genutzt wird. Kurzfristig bremsen jedoch fehlende Smart Meter und offene organisatorische Fragen die Verbreitung. Experten rechnen damit, dass es noch einige Jahre dauern wird, bis Energy Sharing in Deutschland alltäglich ist. Langfristig aber könnten alle von günstigerem Strom aus der Nachbarschaft profitieren.



