Tagsüber Fitnesskurse, abends Tanzshows, rund um die Uhr ein Lächeln für die Gäste: Mit 21 Jahren arbeitete Paula als Animateurin in einem beliebten All-inclusive-Resort im Mittelmeerraum. Doch hinter der perfekten Fassade erlebte sie eine andere, verstörende Realität. Im Gespräch mit BILDplus berichtete sie von diskriminierenden Kommentaren und sexuellen Anspielungen, die sie ertragen musste.
„Hier ist alles inklusive – also du auch“
Besonders prägend war ein Vorfall mit einem männlichen Gast. „Er sagte, hier ist alles inklusive – also du auch“, erzählte Paula. Der Satz fiel während eines Gesprächs an der Bar und ließ sie sprachlos zurück. Solche Übergriffe seien keine Seltenheit gewesen. Viele Gäste, so Paula, hätten die Grenzen zwischen Service und persönlicher Nähe bewusst überschritten.
Diskriminierung und sexuelle Anspielungen im Arbeitsalltag
Paula schilderte, dass sie täglich mit anzüglichen Bemerkungen konfrontiert wurde. „Manche Gäste dachten, sie könnten sich alles erlauben, weil sie im Urlaub sind und alles bezahlt haben“, sagte sie. Die Animateurin fühlte sich oft hilflos, da das Management die Vorfälle herunterspielte. „Es hieß immer, wir sollen die Gäste nicht verärgern.“
Nicht nur sexuelle Anspielungen, sondern auch rassistische Kommentare gehörten zum Alltag. Paula, die selbst einen Migrationshintergrund hat, wurde mehrfach wegen ihrer Herkunft beleidigt. „Ich wurde gefragt, ob ich überhaupt Deutsch sprechen kann, obwohl ich in Deutschland geboren bin“, berichtete sie.
Fehlende Unterstützung durch das Management
Das Resort-Management habe wenig unternommen, um die Mitarbeiter zu schützen. Beschwerden wurden laut Paula oft ignoriert oder als „Kleinigkeiten“ abgetan. „Man hatte das Gefühl, dass die Gäste immer recht haben“, sagte sie. Dies führte zu einer Kultur der Toleranz gegenüber Übergriffen, die viele Animateurinnen und Animateure psychisch belastete.
Auswirkungen auf die Betroffenen
Die ständige Belastung hinterließ Spuren. Paula leidet heute unter Angstzuständen und hat den Job in der Tourismusbranche aufgegeben. „Ich konnte nicht mehr lächeln, wenn mich jemand von oben herab behandelt hat“, erklärte sie. Sie wünscht sich mehr Sensibilisierung und klare Richtlinien für den Umgang mit sexuellen Übergriffen in der Hotellerie.
Laut einer Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) haben 42 Prozent der Beschäftigten im Gastgewerbe bereits sexuelle Belästigung am Arbeitsplatz erlebt. Paula hofft, dass ihre Geschichte dazu beiträgt, das Bewusstsein für dieses Problem zu schärfen.



