Frugales Paar spart bis zu 2000 Euro monatlich durch Mini-Wohnung
Frugales Paar spart bis zu 2000 Euro monatlich

Maren Kauer und ihr Ehemann wohnen seit fast sieben Jahren auf nur 30 Quadratmetern – freiwillig. Der Umzug von einer 90-Quadratmeter-Wohnung in ein kleines Apartment in Bamberg erfolgte kurz vor der Corona-Pandemie. Ihr Umfeld reagierte damals skeptisch: Freunde und Kollegen hielten sie für „wahnsinnig“, ein Kollege prophezeite sogar die Scheidung. Der Corona-Lockdown wurde zum Härtetest. „Es war schon eine Herausforderung“, gibt die heute 51-Jährige zu. Doch das Paar hielt durch.

Monatliche Ersparnis von bis zu 2000 Euro

Ihren Lebensstil ordnen Kauer und ihr Mann zwischen Minimalismus und Frugalismus ein. „Allein durch die kleinere Wohnung haben wir in sieben Jahren etwa 40.000 Euro gespart“, schätzt sie. Im Alltag achten sie auf ihren Konsum: Sie kochen selbst, kaufen kaum Fertigprodukte und sparen so monatlich zwischen 1200 und 2000 Euro. Das Geld investieren sie vor allem in ETFs. Finanzielle Freiheit steht dabei nicht im Vordergrund. Beide arbeiten weiterhin – sie als selbstständige Minimalismus-Mentorin, er im IT-Kundendienst. Das finanzielle Polster schafft Gelassenheit: „Unser Ziel ist Gelassenheit. Wenn eine Krise kommen würde, hätten wir nicht sofort Existenzsorgen“, sagt ihr Ehemann.

Der Weg zum Minimalismus begann mit einem Tiny House

Vor etwa 13 Jahren entdeckte Maren Kauer ein Foto von einem Tiny House. „Darin leben geht doch überhaupt nicht! Wir hätten viel zu viele Sachen“, dachte sie damals. Doch die Idee ließ sie nicht los. Gemeinsam mit ihrem Mann schaute sie Videos und las Blogs, vor allem aus den USA. „Dort wurde uns gezeigt, dass es neben dem klassischen Lebensplan – Haus kaufen, Hypothek abbezahlen, immer größere Dinge anschaffen – auch andere Wege gibt“, erklärt ihr Ehemann. Mehrere Umzüge innerhalb kurzer Zeit ließen die neuen Lebensvorstellungen konkreter werden. In sieben Jahren zogen die beiden fünf Mal um. „Dabei merkt man, wie viel Besitz man mit sich herumschleppt“, so Maren Kauer.

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Herausforderungen und Umstellung beim Konsum

Ein Wendepunkt war ein Umzug nach Bremen für eine neue Stelle, die sich als Fehlgriff entpuppte. „Ich wollte sofort wieder weg, aber wir hatten kein Geld mehr“, erinnert sie sich. Da spürte sie zum ersten Mal richtig, wie abhängig Geld und Job machen können. Besonders schwer fiel ihr der Verzicht auf Kleidungskäufe. „Gerade in der Zeit in Bremen, als der Job nicht so lief, habe ich viel geshoppt – auch aus Frust“, sagt sie. Sie nahm sich vor, ein Jahr lang keine neue Kleidung zu kaufen, löschte alle Shopping-Newsletter und entfernte ihre Lieblingsshops aus dem Browser. Eine ehrliche Frage half: „Wie viel Freude bringt mir diese Kleidung wirklich – und wie viel Freude würde es bringen, genug Geld zu haben, um einfach wieder umzuziehen?“ Nach zwölf Monaten verspürte sie immer noch das Verlangen und verlängerte das Experiment um ein halbes Jahr. „Erst nach anderthalb Jahren hat sich mein Verhalten wirklich verändert“, sagt sie.

90 Prozent ausgemistet und eine einfache Regel gegen Konsum

Heute kaufen Kauer und ihr Mann nur noch neue Kleidung, wenn sie ein altes Teil ersetzen müssen. Bei Kaufimpulsen hilft eine einfache Regel: „Wenn ich heute etwas kaufen möchte, warte ich erst einmal 72 Stunden“, sagt sie. Oft verschwinde der Wunsch dann von allein. Vor dem Umzug in die kleinere Wohnung mussten sie 90 Prozent ihres Besitzes ausmisten. „Das tut im ersten Moment weh. Aber danach merkt man, wie viel leichter sich das Leben anfühlt“, erinnert sich ihr Ehemann. Er betont: „Viele Wohnungen funktionieren wie Lagerräume für Dinge, die Menschen irgendwann gekauft haben. Aber Wohnraum ist kein Lagerraum, sondern Lebensraum.“

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Nachteile und gesellschaftliche Reaktionen

Das Leben auf 30 Quadratmetern hat auch Nachteile: begrenzter Platz und fehlende Rückzugsmöglichkeiten. „Als wir größere Wohnungen hatten, haben uns Freunde und Familie öfter besucht oder bei uns übernachtet“, sagt Maren Kauer. In der kleinen Wohnung sei das für viele nicht angenehm. Auch heute noch reagieren manche irritiert auf ihren Lebensstil. Das Paar verzichtet bewusst auf ein eigenes Auto und trägt keine Markenkleidung. „Wir haben Status null“, so der 52-jährige Ehemann. Dennoch genießen sie das Leben: Sie führen ein „Spaßkonto“ für Restaurantbesuche, Reisen oder einen Roller im Urlaub und verbringen im Winter oft mehrere Wochen in der Türkei. „Ich kann dort arbeiten, wir haben Sonne und sparen gleichzeitig Heizkosten“, sagt Maren Kauer. Den größten Gewinn sieht sie in der Zeit, die sie nicht mehr mit Konsumieren verbringt. Früher habe sie stundenlang Produkte verglichen oder Kleidung geshoppt. Heute verbringe das Paar Zeit draußen, mache Ausflüge oder picknicke in der Natur.