Foodwatch startet Abstimmung für Goldenen Windbeutel 2026
Die Verbraucherorganisation Foodwatch hat die Abstimmung für den Negativpreis „Goldener Windbeutel“ 2026 gestartet. Mit der Aktion will die Organisation auf aus ihrer Sicht irreführende Werbung, geschrumpfte Verpackungsinhalte und überzogene Gesundheitsversprechen in der Lebensmittelbranche aufmerksam machen. Verbraucherinnen und Verbraucher können bis Anfang Juli online über die „dreisteste Werbelüge des Jahres“ abstimmen.
Zur Wahl stehen fünf Produkte namhafter Hersteller – von Backpulver über Joghurt bis zu Nahrungsergänzungsmitteln und Kaugummis.
Kritik an „Airfryer-Backpulver“ von Dr. Oetker
Ein Kandidat ist ein Produkt von Dr. Oetker, ein spezielles Backpulver für die Zubereitung im Airfryer. Foodwatch wirft dem Hersteller vor, das Produkt als Innovation zu vermarkten, obwohl es sich in der Praxis kaum von herkömmlichem Backpulver unterscheide. Die Verbraucherorganisation verweist auf Tests, nach denen Backergebnisse und Backzeiten nahezu identisch seien – bei gleichzeitig deutlich höherem Preis.
Dr. Oetker widerspricht laut „Spiegel“ dieser Darstellung. Das Produkt sei speziell auf die Bedingungen im Airfryer abgestimmt und enthalte eine angepasste Rezeptur für eine schnellere Reaktion im kleinen Garraum.
Shrinkflation bei „Airwaves Cool Cassis“-Kaugummis
Auch der Konsumgüterkonzern Mars steht in der Kritik. Bei den „Airwaves Cool Cassis“-Kaugummis sei die Packungsgröße von zwölf auf zehn Stück reduziert worden, während der Preis im Handel weitgehend stabil geblieben sei. Foodwatch spricht von einer versteckten Preiserhöhung von bis zu 20 Prozent. Mars verweist laut „Spiegel“ darauf, dass die Anpassung aufgrund von Marktbedingungen notwendig gewesen sei und die Produktverfügbarkeit im Vordergrund stehe.
Joghurt mit „Trend-Zutat“ und viel Zucker
Auf der Nominierungsliste steht zudem der Bio-Joghurt „Matcha Mango“ von Andechser Natur. Foodwatch kritisiert, dass das Produkt zwar prominent mit Matcha werbe, tatsächlich aber nur geringe Mengen der Zutat enthalte. Zudem enthalte der Joghurt einen vergleichsweise hohen Zuckeranteil, der laut Organisation vor allem aus zugesetztem Zucker und Fruchtbestandteilen stamme.
Zu den Nominierten gehört auch das Mikronährstoffkonzentrat „LaVita“. Foodwatch kritisiert insbesondere den hohen Preis sowie die aus ihrer Sicht irreführende Vermarktung als umfassendes Gesundheitsprodukt. Nach Angaben der Organisation besteht das Produkt überwiegend aus Fruchtsaftkonzentraten.
Gummibärchen für das Liebesleben
Für Aufsehen sorgt zudem ein Produkt von Beautybears: sogenannte Libido-Gummibärchen, die das Liebesleben unterstützen sollen. Foodwatch hält die versprochene Wirkung für wissenschaftlich nicht belegt und kritisiert zugleich den hohen Preis im Vergleich zu herkömmlichen Fruchtgummis. Für 60 Stück verlangt der Hersteller Beautybears rund 25 Euro.
Noch bis zum 5. Juli können Verbraucherinnen und Verbraucher online über den diesjährigen „Gewinner“ des Goldenen Windbeutels abstimmen. Der Negativpreis wird seit 2009 vergeben und soll nach Angaben von Foodwatch auf Verbrauchertäuschung im Lebensmittelmarkt aufmerksam machen. Bisher erhielten ihn unter anderem der Trinkjoghurt Actimel von Danone (2009), die Milchschnitte von Ferrero (2011) und das Smart Water von Coca-Cola (2018). Im vergangenen Jahr wurde zudem die Milka Alpenmilch-Schokolade für eine geschrumpfte Tafel ausgezeichnet.
Die Organisation fordert zugleich mehr Transparenz bei Preis- und Werbestrategien der Hersteller. Gerade in Zeiten hoher Lebensmittelpreise seien versteckte Kostensteigerungen und überzogene Werbeversprechen besonders problematisch, heißt es von Foodwatch.



