Die Flugverspätungen in Griechenland haben sich im Jahr 2026 drastisch verschärft. Nach Angaben der europäischen Flugsicherungsorganisation Eurocontrol stiegen die Verspätungen gegenüber dem Vorjahr um 63 Prozent. Besonders betroffen ist der Flughafen Athen Eleftherios Venizelos, der sich zu einem der größten Engpässe im europäischen Luftverkehr entwickelt hat. In den ersten sechs Monaten wurden dort 15,75 Millionen Passagiere gezählt – 4,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum. Die steigenden Besucherzahlen treffen auf eine veraltete Infrastruktur.
Veraltete Technik als Hauptursache
Das Radarsystem des Athener Flughafens stammt aus dem Jahr 2001, als der Flughafen eröffnet wurde. Damals bewältigten die Fluglotsen rund 160.000 Flugbewegungen pro Jahr, heute sind es fast 280.000 – mit nahezu unveränderter Technik. Entsprechend häufen sich die Störungen. Am 24. Juni fiel das Anflugradar für mehr als zehn Stunden aus, was zu stundenlangen Verspätungen und zahlreichen Flugausfällen führte. Bereits im Januar war der Sprechfunkverkehr komplett zusammengebrochen, sodass der griechische Luftraum für fünf Stunden gesperrt werden musste.
Auswirkungen auf den gesamten europäischen Flugverkehr
Die Verspätungen in Griechenland haben erhebliche Folgen für den europäischen Luftverkehr. Laut Eurocontrol waren in der letzten Juniwoche 13 Prozent aller Verspätungen in Europa auf die Probleme in Griechenland zurückzuführen. Die verspäteten Maschinen schleppen die Verzögerungen durch den ganzen Tag zu anderen Zielorten. Nur Frankreich und Spanien verursachen mehr Verspätungen, allerdings bei deutlich höherem Verkehrsaufkommen. Griechenland verzeichnet den stärksten Anstieg der Verzögerungen gegenüber dem Vorjahr.
Keine kurzfristigen Lösungen in Sicht
Anfang Juli fand eine Krisensitzung der griechischen Zivilluftfahrtbehörde mit Vertretern der Flughafengesellschaft, der Fluglotsen und der Fluggesellschaften Aegean Airlines und Sky Express statt. Konkrete Beschlüsse wurden nicht gefasst. Die technischen Probleme und der Personalmangel sind seit Langem bekannt, aber die Regierung blieb untätig. Erst unter Druck der EU-Kommission wurde die Erneuerung der Radartechnik auf den Weg gebracht. Die neuen Systeme werden jedoch nicht vor 2029 in Betrieb gehen. Bis dahin müssen Reisende mit weiteren Verspätungen rechnen.
Experten sehen Zusammenhang mit Iran-Krise
Die Zunahme der Verspätungen hängt nach Einschätzung von Experten auch mit der Iran-Krise zusammen. Diese hat zu mehr Überflügen über Griechenland geführt, was den griechischen Luftraum zusätzlich belastet. Die Kombination aus veralteter Technik, Personalmangel und erhöhtem Verkehrsaufkommen macht Griechenland zu einem Nadelöhr im europäischen Flugverkehr. Urlauber sollten sich auf längere Wartezeiten einstellen.



