Im nordrhein-westfälischen Landtag ist ein heftiger Streit über den Umgang mit Mehrsprachigkeit an Schulen entbrannt. Die schwarz-grüne Landesregierung unter Ministerpräsident Hendrik Wüst (CDU) plant, die Leistungen von Schülern mit unzureichenden Deutschkenntnissen künftig auch in ihrer Herkunftssprache zu überprüfen. Die FDP kritisiert dies als integrationspolitische Kapitulationserklärung.
FDP-Fraktionschef Höne warnt vor Signalwirkung
„Da sind wir bei Klassenarbeiten auf Arabisch, auf Türkisch, auf Ukrainisch“, sagte FDP-Fraktionschef Henning Höne in der Debatte. Die Überprüfung von Kompetenzen in der Herkunftssprache sei „überhaupt kein Signal in Richtung Integration und keins in Richtung Chancengerechtigkeit“. Vielmehr werde die Unterrichtssprache Deutsch geschwächt. Höne warf der Koalition eine bildungs- und integrationspolitische „Kapitulationserklärung“ vor.
Landesschulministerin Dorothee Feller (CDU) wies die Vorwürfe zurück. „Unsere gemeinsame Bildungssprache ist und bleibt Deutsch, sowohl im Unterricht als auch in Prüfungen“, stellte sie klar. Jenseits des Fremdsprachenunterrichts gelte dies uneingeschränkt. Der Vorwurf, die Regierung wolle das Deutsche als Unterrichtssprache aufweichen, sei falsch.
Antrag von CDU, Grünen und SPD zur Mehrsprachigkeit
Hintergrund des Streits ist ein gemeinsamer Antrag von CDU, Grünen und SPD, der die Mehrsprachigkeit an Schulen fördern soll. Darin wird die Landesregierung aufgefordert, „Regelungen anzupassen, sodass fachliche Kompetenzen auch dann angemessen erfasst werden können, wenn ein Kind aufgrund noch unzureichender Deutschkenntnisse seine Kompetenzen nicht vollständig darstellen kann“. Die Formulierung ist nach Ansicht der FDP zu vage und öffne Tür und Tor für Prüfungen in anderen Sprachen.
Die Grünen sehen in der Mehrsprachigkeit eine Chance für Wirtschaft und Gesellschaft. NRW sei „ein Land der Vielfalt und der gelebten Mehrsprachigkeit“. Rund ein Drittel der Bevölkerung habe eine Zuwanderungsgeschichte. Die Grünen fordern daher, „die Förderung von Mehrsprachigkeit in der Lehrkräftefortbildung“ zu verankern. Der Fokus solle nicht allein auf dem Erwerb der deutschen Sprache liegen.
Antrag aus dem Sommer 2025 nun im Plenum
Der umstrittene Antrag stammt bereits aus dem Sommer 2025 und wurde erst jetzt im Landtag debattiert. Ein Gegenantrag der FDP, die entsprechende Passage zu streichen und klarzustellen, dass die Unterrichts- und Prüfungssprache Deutsch sei, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt. Die Liberalen stehen damit allein da.
Die Debatte zeigt die tiefen Gräben in der Bildungspolitik. Während die Koalition die sprachliche Vielfalt als Bereicherung sieht, warnt die FDP vor negativen Folgen für die Integration. Der Streit dürfte sich in den kommenden Monaten fortsetzen, da die konkrete Umsetzung der Regelungen noch offen ist.



