Der Kampf um die besten Liegen am Hotelpool beginnt für viele Urlauber längst vor dem Frühstück. In Hotels weltweit stehen Gäste im Morgengrauen auf, um sich einen Platz zu sichern. Doch jetzt greifen immer mehr europäische Hotels mit neuen Regeln ein, um diesen morgendlichen Wettlauf zu beenden. Auslöser für das Umdenken war auch ein spektakulärer Gerichtsfall: Ein Urlauber aus Düsseldorf verklagte nach einem Familienurlaub auf der griechischen Insel Kos erfolgreich seinen Reiseveranstalter. Laut seinen Angaben waren im Sommer 2024 alle 400 Sonnenliegen des Fünf-Sterne-Hotels Grecotel Kos Imperial mit Handtüchern blockiert. Vor Gericht bekam er rund 990 Euro Entschädigung zugesprochen.
Hotels sagen Handtuch-Reservierern den Kampf an
Um den Handtuch-Krieg und solche Klagen zu verhindern, setzen immer mehr Hotels auf neue Konzepte. Gäste bekommen etwa ihre Sonnenliegen schon beim Einchecken fest zugeteilt. Im St. George Beach Hotel & Spa Resort auf Zypern erhält jeder Gast direkt bei der Anreise seine Liege – ohne Zusatzkosten. Das Hotel wirbt auf seiner Internetseite: „Wir bemühen uns, die Wünsche unserer Gäste zu erfüllen, damit jeder die Möglichkeit hat, seinen bevorzugten Platz am Pool oder am Strand zu bekommen.“ Auch in diesen Hotels auf Zypern werden die Liegen fest zugeteilt: Sunrise Beach Hotel, Grecian Bay Hotel und Olympic Lagoon Resort.
Sonnenliege per App reservieren
Das Fünf-Sterne-Hotel Iberostar Selection Sabila auf Teneriffa setzt auf Technik. Gäste reservieren ihre Liege per App bis zu 48 Stunden im Voraus. Wer seinen Platz bis 10.30 Uhr nicht nutzt, verliert ihn wieder. Auch das The Sea Hotel by Grupotel in Can Picafort auf Mallorca geht inzwischen so vor. Hier können Strandliegen nach dem Check-in über die Hotel-App oder an der Rezeption reserviert werden. Die Reservierung kostet 15 Euro pro Tag für zwei Liegen und einen Sonnenschirm. Sie ist zeitlich begrenzt und betrifft nur den Strandbereich.
Reservierte Liegen räumen
Das 4-Sterne-Hotel Amàre Beach auf der spanischen Insel Ibiza räumt die Liegen, wenn sie länger als 30 Minuten unbenutzt bleiben. Ist das erlaubt? „Ja, ganz klar“, sagt der Berliner Rechtsanwalt Roosbeh Karimi. „Das Hotel kann so etwas in der Hausordnung festlegen.“ In der Praxis heißt das: Nach einer bestimmten Zeit nehmen Mitarbeiter die Handtücher von ungenutzten Liegen und verstauen sie an einem festgelegten Ort. „Dann muss man sich das Handtuch abholen und wieder eine neue Liege suchen“, sagt Karimi.
Auch auf Kreuzfahrtschiffen wird inzwischen konsequent durchgegriffen. Die britische Reederei P&O Cruises setzt auf das sogenannte „Lonely-Lounge“-Prinzip. „Wenn die Liege länger als 30 Minuten ungenutzt bleibt, werden die persönlichen Gegenstände zum Aufbewahrungsplatz für verlassene Liegen gebracht“, heißt es hier. Auch die Reederei NCL geht so gegen die Handtuch-Blockierer vor. Bei Carnival Cruise Line markieren Mitarbeiter verlassene Liegen mit Klebestickern. Nach 40 Minuten werden Handtücher und andere Gegenstände entfernt und sicher verwahrt.
Selbstverständlich wie die Sitzplatzwahl im Flugzeug
Lisa Henning von der britischen Reiseagentur Inspire glaubt, dass reservierbare Sonnenliegen schon bald genauso selbstverständlich sind wie die Sitzplatzwahl im Flugzeug. „Viele unserer Kunden legen großen Wert darauf, wo ihr Hotelzimmer liegt. Genauso kann ich mir vorstellen, dass sie sicher sein möchten, eine Sonnenliege am richtigen Platz zu bekommen – und bereit sind, dafür zu bezahlen“, erklärt sie gegenüber „Daily Mail“.



