Kanadier (22) in Georgien wegen ADHS-Medikament in Haft
Kanadier in Georgien wegen ADHS-Medikament in Haft

Anklage wegen Drogenhandel in Georgien: ADHS-Patient (22) landet wegen Reiseapotheke in Folterknast

Wann Simon Rovensky (M.) seine Familie wiedersehen wird, ist ungewiss. Ein junger Kanadier reiste nach Georgien – und landete im Knast! Der Grund: Simon Rovensky (22) aus Vancouver hatte seine ADHS-Medikamente dabei, aber nicht das Original-Rezept. Jetzt drohen ihm bis zu 20 Jahre Haft und eine hohe Geldstrafe. Seine Familie ist verzweifelt.

Sieben Stunden Verhör am Flughafen

Seine Schwester Nika Rovensky berichtete dem kanadischen Sender „CBC“: Simon hatte bei seiner Reise nach Georgien Anfang Mai eine Packung des verschreibungspflichtigen Medikaments Adderall dabei. Darauf stand der Name seines Hausarztes, der die Diagnose ADHS gestellt hatte. Doch bei der Ankunft am Flughafen Tiflis wurde der 22-Jährige angehalten und kontrolliert. Die Beamten entdeckten die Tabletten. Simon hatte zwar die Quittung der Apotheke dabei – doch die akzeptierten die Beamten nicht als Nachweis.

„Er wurde zusammen mit seinem Freund sieben Stunden lang verhört“, sagte Nika Rovensky. „Danach hatten wir 48 Stunden lang überhaupt keinen Kontakt mehr zu ihm. (...) Es war extrem beängstigend.“

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Gefängnis mit dunkler Vergangenheit

Rovenskys Freund kam frei, weil er keine Medikamente dabei hatte. Simon landete im Knast. Laut einer Online-Spendenaktion der Familie sitzt er jetzt im berüchtigten Gefängnis Gldani nördlich der Hauptstadt Tiflis. Die Anklage: Drogenschmuggel und -handel.

Laut dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte kam es bis 2012 in georgischen Gefängnissen – auch in Gldani – zu Folter und Misshandlungen von Gefangenen. Obwohl die Familie das Rezept inzwischen an die georgischen Behörden geschickt hat, bleibt die Staatsanwaltschaft hart: Simon bleibe trotzdem in Haft, weil er das Rezept bei der Flughafenkontrolle nicht dabei hatte.

Adderall ist in Georgien ein Betäubungsmittel

Das Problem: Adderall enthält unter anderem Amphetamine, die in Georgien als Betäubungsmittel gelten. Simon drohen deshalb im Falle einer Verurteilung bis zu 20 Jahre Haft und eine Geldstrafe in Höhe von mehreren zehntausend Dollar.

Ein Sprecher des kanadischen Außenministeriums erklärte, dass man bereits von Simons Verhaftung wisse und die Konsularbeamten in Kontakt mit den örtlichen Behörden stünden. Sobald das Urteil gefällt und die Geldstrafe bezahlt ist, werde Simon nach Kanada abgeschoben, so sein Anwalt.

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