Legionellen-Ausbruch in Berlin-Tegel: Zwei Todesfälle gemeldet
In einem Seniorenwohnhaus in Berlin-Tegel sind zwei Menschen an den Folgen einer Legionellen-Infektion gestorben. Der Ausbruch wurde entdeckt, nachdem fünf Bewohner mit schweren Symptomen ins Krankenhaus eingeliefert worden waren. Die landeseigene Wohnungsgesellschaft Berlinovo teilte mit, dass der direkte Zusammenhang zwischen den Krankenhausaufenthalten, den Todesursachen und den Legionellen noch nicht abschließend geklärt sei. Dennoch hat der Vorfall die Aufmerksamkeit auf die Gefahren der Bakterien gelenkt.
Was sind Legionellen und wie werden sie übertragen?
Legionellen sind natürlicherweise in Gewässern vorkommende Bakterien, die sich besonders in technischen Wassersystemen wie Trinkwasserinstallationen, Klimaanlagen und Whirlpools vermehren. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) warnt, dass die Erreger vor allem durch zerstäubtes Wasser – sogenannte Aerosole – übertragen werden, etwa beim Duschen oder über Luftbefeuchter. Das Trinken von kontaminiertem Wasser gilt in der Regel als ungefährlich, da die Magensäure die Bakterien abtötet. In seltenen Fällen kann eine Infektion jedoch durch versehentliches Verschlucken von Wasser in die Luftröhre erfolgen.
Nach Angaben des Berliner Landesamts für Gesundheit und Soziales (Lageso) treten Infektionen vor allem im Frühling und Sommer auf, da Legionellen bei Temperaturen zwischen 25 und 45 Grad Celsius ideale Wachstumsbedingungen finden. Stehendes Wasser, etwa nach längeren Abwesenheiten wie Urlaub, begünstigt die Vermehrung zusätzlich. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist äußerst selten; das Robert Koch-Institut (RKI) kennt weltweit nur einen bestätigten Fall.
Symptome der Legionellose: Von grippeähnlich bis Lungenentzündung
Die durch Legionellen verursachte Erkrankung, die Legionellose, kann zwei verschiedene Formen annehmen: die schwere Legionärskrankheit und das mildere Pontiac-Fieber. Die Legionärskrankheit äußert sich laut RKI als schwere Lungenentzündung, die klinisch nicht von anderen Lungenentzündungen zu unterscheiden ist. Begleitend können Verwirrtheit, Bauchschmerzen und Durchfall auftreten. Das Pontiac-Fieber hingegen verläuft als akuter Infekt mit grippeähnlichen Symptomen wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen, Brustschmerzen und trockenem Husten.
Fallzahlen in Berlin und Deutschland: Aktuelle Statistiken
In Berlin wurden dem Lageso zufolge im laufenden Jahr bislang 54 Legionellen-Fälle gemeldet – weniger als der Fünfjahresmittelwert von 61 Fällen im gleichen Zeitraum. Im gesamten Jahr 2025 waren es 140 Fälle, während die Zahlen in den Vorjahren zwischen etwa 100 und 150 Fällen pro Jahr schwankten. Deutschlandweit registrierte das RKI dieses Jahr 977 Fälle. In den drei Jahren zuvor lag die jährliche Fallzahl jeweils bei rund 2.200.
Die Zahl der Todesfälle durch Legionellose bewegt sich in Berlin im einstelligen Bereich: 2025 gab es zwei Todesfälle, 2024 drei und 2023 zwei, wie eine Lageso-Sprecherin mitteilte. Bundesweit starben nach Angaben einer RKI-Sprecherin in diesem Jahr 45 Menschen an der Legionärskrankheit. In den vergangenen drei Jahren waren es jährlich etwas mehr als 100 Todesfälle, beispielsweise 118 im Jahr 2025. Seit 2015 ist die Zahl der Todesfälle kontinuierlich gestiegen, mit Ausnahme eines Rückgangs im Pandemiejahr 2020 und einem leichten Rückgang 2024. Betroffen sind vor allem Menschen ab 60 Jahren.
Sterblichkeitsrate und Risikogruppen
Das RKI gibt an, dass durchschnittlich 5 bis 9 Prozent der Infizierten an der Legionärskrankheit sterben. Bei nosokomialen Infektionen, also im Krankenhaus erworbenen Fällen, liegt die Sterblichkeit mit etwa 13 Prozent deutlich höher. Todesfälle durch das Pontiac-Fieber sind nicht bekannt.
Schutzmaßnahmen: Wie man Legionellen vorbeugt
Um Legionellen vorzubeugen, empfiehlt das BIÖG, Wasserleitungen regelmäßig zu nutzen und Kaltwasserleitungen wärmezuisolieren. In Gebäuden mit zentraler Wassererwärmung sollte die Temperatur am Trinkwassererwärmer auf mindestens 60 Grad Celsius eingestellt sein, und die Wassertemperatur im gesamten Leitungssystem sollte 55 Grad Celsius nicht unterschreiten. In Mietshäusern und öffentlichen Gebäuden werden regelmäßig Wasserproben untersucht; bei Überschreitung bestimmter Legionellen-Konzentrationen muss das Gesundheitsamt informiert werden.



