Die Berliner Ordnungsamt-App feiert ihr zehnjähriges Bestehen – doch die Bilanz fällt ernüchternd aus. Fast sechs Millionen Euro wurden in das System investiert, wie eine aktuelle Auswertung zeigt. Ein Selbstversuch des Redakteurs Dirk Krampitz offenbart erhebliche Mängel, die Nutzer bis heute verärgern.
Kosten von fast sechs Millionen Euro in zehn Jahren
Seit dem Start der App im Jahr 2016 flossen rund 5,8 Millionen Euro in Entwicklung, Betrieb und Wartung. Trotz dieser Summe bleibt die Zufriedenheit der Anwender gering. Viele gemeldete Mängel werden nicht oder nur unzureichend bearbeitet.
Ein Beispiel: Eine bekannte Verschmutzung an der Warschauer Straße wurde in der App als „erledigt“ markiert. Vor Ort war der Müll jedoch noch immer sichtbar. Der Status entsprach nicht der Realität.
Selbstversuch zeigt gravierende Lücken
Krampitz testete die App über mehrere Wochen. Er meldete unter anderem wilde Müllkippen, kaputte Gehwege und Graffiti. Von zehn Meldungen wurden nur drei tatsächlich bearbeitet. Bei vier weiteren änderte sich der Status ohne erkennbare Maßnahmen vor Ort.
„Die App vermittelt den Eindruck, dass etwas getan wird, aber oft passiert gar nichts“, kritisierte der Redakteur. Die zuständige Senatsverwaltung verwies auf personelle Engpässe und eine hohe Anzahl von Meldungen.
Reaktionen und Ausblick
Die Verbraucherzentrale Berlin forderte eine grundlegende Überarbeitung der App. „Es kann nicht sein, dass Bürgerengagement ins Leere läuft. Die Mängel müssen transparenter dokumentiert werden“, so ein Sprecher.
Die Senatsverwaltung kündigte an, die App bis Ende 2027 zu modernisieren. Ob die zusätzlichen Kosten gerechtfertigt sind, bleibt fraglich. Die Opposition im Abgeordnetenhaus spricht von „Geldverschwendung“ und fordert eine Evaluation.



