Berlin – 12-Uhr-Schock an der Zapfsäule! Die wieder aufgeflammte Nahost-Krise treibt die Spritpreise abermals nach oben. Autofahrer müssen seit Mittwochmittag erneut deutlich tiefer in die Tasche greifen. Kaum hatte die Uhr die Mittagsmarke überschritten, zogen die Preise an den Tankstellen kräftig an. Dabei waren Diesel und E10 kurz vor der täglichen Preisrunde sogar noch leicht günstiger geworden.
Spritpreise stiegen um bis zu 25 Cent
Wer noch vor 12 Uhr tankte, sparte deutlich Geld. BILD-Reporter waren an Tankstellen im Land unterwegs und dokumentierten den Preisanstieg: In Kirchheim unter Teck (Baden-Württemberg) knallte der Preis für Diesel an der Shell-Tankstelle sogar um 25 Cent hoch! E10 und Super stiegen immerhin um 21 Cent pro Liter.
Taxifahrer Reinhard Kühn (73) tankte mit Glück kurz vor 12 Uhr, zahlte noch 1,89 Euro pro Liter Diesel (44 Liter), sparte gut 11 Euro. Er sagt: „Sprit wird wieder teurer und wir können nicht darauf reagieren, weil die Taxipreise vom Landratsamt festgelegt werden. So bleibt uns vom Verdienst nicht mehr viel übrig.“ Elektriker Leonard Pocreata (42) kam drei Minuten zu spät, musste teuer tanken: „Verdammt! Ich habe vergessen, dass die Preise immer um 12 Uhr erhöht werden. Bei diesen Preisen wird man arm – und es gibt fast nichts, was man dagegen tun kann.“
Preisanstieg in ganz Deutschland
Auch in anderen Bundesländern kletterten die Preise pünktlich um 12 Uhr: An einer HEM-Tankstelle in Burgwedel (Region Hannover) stiegen Diesel und E10 um 24 Cent, Super kostete nach dem Mittag 21 Cent mehr. Einzelhandelskaufmann Diyar Bas (24) wollte kurz vor Arbeitsbeginn nur noch schnell volltanken: „Als ich den Preis gesehen und gemerkt habe, dass der Sprit jetzt 15 bis 20 Cent teurer ist, habe ich schon kurz überlegt, einfach weiterzufahren und später zu tanken.“ Weil sein Tank fast leer war, füllte er den teuren Sprit ein und ärgerte sich: „Auf Dauer summieren sich diese Preissteigerungen enorm. Das Geld fehlt dann an anderer Stelle – beim Einkaufen oder bei anderen Ausgaben. Und das merkt man jeden Monat im Portemonnaie.“
An einer Shell-Tankstelle nahe des Moritzplatzes in Berlin wurde Diesel 25 Cent teurer, E10 und Super stiegen um 20 Cent. Eine 50-Liter-Tankfüllung mit Diesel kostete dort kurz vor Mittag 94,95 Euro, wenig später schon satte 12,50 Euro mehr.
Neue Spannungen am Golf treiben Ölpreise in die Höhe
Der Zeitpunkt der neuen Preisaufschläge ist kein Zufall. Hintergrund sind neue Spannungen im Nahen Osten. Nach Angriffen auf Tanker in der Straße von Hormus haben die USA eine neue Welle von Luftschlägen gegen den Iran gestartet. Gleichzeitig wurden zuvor gelockerte Beschränkungen für iranische Ölexporte wieder verschärft. Anleger fürchten nun neue Störungen bei den weltweiten Öllieferungen. Entsprechend nervös reagierten die Rohstoffmärkte. Die Nordseesorte Brent verteuerte sich zeitweise um bis zu 3,5 Prozent auf 76,75 Dollar je Barrel. Seit Dienstag summiert sich das Plus bereits auf mehr als sechs Prozent. Marktbeobachter warnen, dass eine weitere Eskalation die Ölversorgung über die Straße von Hormus beeinträchtigen könnte – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für den globalen Ölhandel. Darüber berichtet onvista.de.
Für Autofahrer kommt die Entwicklung zur Unzeit. Viele starten in die Sommerferien oder planen längere Urlaubsfahrten. Zusätzliche Kosten drohen vor allem an Autobahntankstellen. Nach einer bundesweiten ADAC-Auswertung liegen die Preise dort durchschnittlich rund 33 Cent je Liter über dem Niveau von Tankstellen abseits der Fernstraßen. Bei einer 50-Liter-Tankfüllung summiert sich das auf rund 16,50 Euro.



