Die Zinsen für Privatkredite sind im Juni 2026 auf den niedrigsten Stand seit mehr als drei Jahren gefallen. Laut einer aktuellen Auswertung des Vergleichsportals Verivox lag der durchschnittliche effektive Jahreszins für abgeschlossene Ratenkredite bei 6,26 Prozent. Das ist der niedrigste Wert seit März 2023. Allerdings profitieren von den günstigeren Konditionen nicht alle Verbraucher: Banken prüfen Kreditanträge strenger und lehnen mehr Interessenten ab als noch vor einigen Jahren.
Wer profitiert von den niedrigen Zinsen?
Besonders gute Chancen auf einen günstigen Kredit haben Verbraucher mit sicherem Einkommen und einer soliden Bonität. Banken konkurrieren derzeit verstärkt um Kunden mit geringem Ausfallrisiko und bieten dieser Gruppe daher häufig besonders niedrige Zinsen. Der von Verivox ermittelte Median-Zinssatz bedeutet, dass die Hälfte der Kreditnehmer höchstens 6,49 Prozent zahlte, die andere Hälfte mehr. Der tatsächliche Zinssatz hängt jedoch von mehreren Faktoren ab, darunter Einkommen, Beschäftigungssituation, bestehende Verpflichtungen, Kreditsumme und persönliche Bonität, die maßgeblich vom Schufa-Score beeinflusst wird.
Banken werden strenger
Während erfolgreiche Kreditnehmer von niedrigeren Zinsen profitieren, wird es für andere Verbraucher schwieriger, überhaupt ein Angebot zu erhalten. Nach Einschätzung von Verivox reagieren Banken damit auf die schwache Konjunktur und die Unsicherheit am Arbeitsmarkt. Die Geldhäuser wollen Kreditausfälle vermeiden und konzentrieren sich stärker auf Kunden mit stabilen finanziellen Verhältnissen. Der Verivox-Index zur Kreditverfügbarkeit, der den Anteil der Kreditanfragen ohne Angebot misst, sank im Juni auf 62,3 Punkte. Im August 2025 lag er noch bei 65,7 Punkten, vor drei Jahren bei über 80 Punkten. Der Index zeigt die Entwicklung im Vergleich zum Basismonat Januar 2020, als er bei 100 Punkten lag.
Wettbewerb um gute Bonität
Die strengere Auswahl erklärt zugleich, warum die Zinsen für erfolgreiche Abschlüsse sinken. „Etwa jeder vierte Verbraucher, der vor drei Jahren noch einen Kredit bekommen hätte, erhält unter den aktuellen Bedingungen keinen mehr“, sagt Oliver Maier, Geschäftsführer von Verivox Finanzvergleich. „Wenn Banken das kompensieren wollen, müssen sie um die verbleibenden Kunden mit einem geringeren Ausfallrisiko umso härter kämpfen. Wer jetzt noch ausreichend Kreditgeschäft machen will, muss Kreditnehmern mit solider Bonität schon gute Zinsen bieten – auch wenn das angesichts anhaltend hoher Refinanzierungskosten zu Lasten der eigenen Marge geht.“
Gemeinsamer Kreditantrag als Option
Wer allein kein Finanzierungsangebot erhält, kann den Kredit gemeinsam mit einer zweiten Person beantragen. Da beide Kreditnehmer für die Rückzahlung einstehen, sinkt aus Sicht der Bank das Ausfallrisiko. „Vor allem, wenn beide über eigenes Einkommen verfügen, steigen die Chancen auf eine Finanzierungszusage bei einer gemeinschaftlichen Kreditanfrage erheblich“, sagt Maier. Die zweite Person müsse nicht der Ehe- oder Lebenspartner sein; auch enge Freunde oder nahe Verwandte kämen infrage. Ein gemeinsamer Antrag sollte jedoch gut überlegt sein, da beide Personen gegenüber der Bank für die gesamte Kreditsumme haften.
Tipps für Kreditinteressierte
Verbraucher sollten vor allem den effektiven Jahreszins vergleichen, da er neben dem Sollzins auch weitere kreditbezogene Kosten berücksichtigt. Zudem muss die monatliche Rate dauerhaft zum eigenen Budget passen. Eine längere Laufzeit senkt zwar häufig die monatliche Belastung, erhöht aber in der Regel die gesamten Zinskosten. Die aktuelle Entwicklung teilt den Kreditmarkt deutlicher als zuvor: Verbraucher mit guter Bonität profitieren von niedrigeren Zinsen und einem stärkeren Wettbewerb, während andere häufiger mit einer Absage rechnen müssen.



