Heftige Diskussionen um Sonnenschirmverbot auf Sardinien
Wer in diesem Sommer an einem der schönsten Strände Sardiniens seinen Sonnenschirm aufstellen möchte, braucht einen triftigen Grund: Er muss entweder ein Kind unter zehn Jahren oder einen Menschen über 65 Jahren begleiten. Für alle anderen Urlauber heißt es Sonne pur. Diese neue Regelung sorgt bereits zu Beginn der Badesaison in Italien für heftige Diskussionen und Unmut.
Neue Verordnung in Villasimius
Die Regelung gilt am berühmten Strand Punta Molentis im Südosten der Urlaubsinsel Sardinien. Die Gemeinde Villasimius hat per Verordnung die Nutzung von Sonnenschirmen, Pavillons und anderen Schattenspendern stark eingeschränkt. Ziel ist es, die empfindliche Natur des Küstenabschnitts besser zu schützen und die Belastung des Areals zu reduzieren. Der Hintergrund: Im vergangenen Sommer wurde die Gegend durch einen verheerenden Brand schwer getroffen. Nun soll die Besucherzahl kontrolliert und die Natur geschont werden. Der Zugang zum Strand kostet zehn Euro pro Person, gleichzeitig gelten strenge Auflagen.
Kritik in sozialen Netzwerken
Sonnenschirme sind nur noch für Familien mit Kindern sowie für Menschen über 65 Jahre erlaubt. In sozialen Netzwerken löste die Maßnahme umgehend Kritik aus. „Und wer keine Kinder hat, was soll der machen? Unter der Sonne schmoren?“, fragte ein Nutzer verärgert. „So riskiert man einen Sonnenstich“, schrieb ein weiterer Kommentator mit Blick auf die Vorschriften, die vom 6. Juni bis zum 31. Oktober gelten.
Gemeinde verweist auf Naturschutz
Die Gemeinde verweist dagegen auf den Schutz des empfindlichen Küstenabschnitts. Das Verbot von Sonnenschirmen solle dazu beitragen, den Lebensraum zu erhalten und den menschlichen Einfluss auf den ohnehin fragilen Strand zu begrenzen. Neben dem Sonnenschirmverbot sind auch das Betreten der Dünen, das Beschädigen der Vegetation sowie das Mitnehmen von Sand streng untersagt.
Neue Regelungen an der nördlichen Adria
Auch an der nördlichen Adria wird über Sonnenschirme diskutiert. In Jesolo sollen künftig deutlich größere Abstände zwischen den Sonnenschirmen für mehr Komfort sorgen. Statt der bisherigen Standardflächen von drei mal zwei Metern kommen schrittweise größere Bereiche von vier mal vier Metern zum Einsatz. Die Zahl der verfügbaren Plätze wird dadurch jedoch um rund 20.000 reduziert.
Bibione bietet spezielle Plätze für Solo-Touristen
Neue Wege geht auch Bibione. Dort werden erstmals spezielle Sonnenschirmplätze für Solo-Touristen angeboten. Die sogenannten Single-Parzellen verfügen über breitere Liegen, teilweise sogar mit solarbetriebenen Lademöglichkeiten für Smartphones. Über eine App können Besucher die Auslastung der Strandabschnitte in Echtzeit verfolgen.
Steigende Strandpreise in ganz Italien
Inzwischen wird in ganz Italien über ein weiteres Thema diskutiert: die steigenden Strandpreise. Nach Angaben der Verbraucherorganisation Altroconsumo liegen die Kosten für Strandbäder in diesem Jahr durchschnittlich sechs Prozent über dem Vorjahr. Innerhalb von fünf Jahren sind die Preise sogar um rund 24 Prozent gestiegen. Besonders teuer ist laut Altroconsumo der exklusive Badeort Alassio an der Riviera Liguriens. Für eine Woche in der ersten Reihe mit Sonnenschirm und zwei Liegen werden dort durchschnittlich 368 Euro fällig.
Günstige Alternative in Chiavari
Anders geht die ligurische Küstenstadt Chiavari vor. Dort hat die Gemeinde ein neues Verleihsystem eingeführt. Sonnenschirm, Liegestuhl und Strandstuhl kosten zusammen lediglich fünf Euro. Über automatische Kassen können Besucher die Ausstattung direkt am Strand buchen. Die Stadt will damit eine günstige Alternative für Einheimische und Touristen schaffen.



