Die Nachfrage nach Studienkrediten in Deutschland hat im vergangenen Jahr deutlich zugelegt. Wie eine Marktanalyse des CHE Centrum für Hochschulentwicklung in Zusammenarbeit mit dem „Handelsblatt“ zeigt, wurden 2025 insgesamt mehr als 15.200 Neuverträge abgeschlossen – ein Anstieg von über 17 Prozent im Vergleich zu 2024, als rund 13.000 Verträge gezählt wurden. Damit endet ein mehr als zehnjähriger Abwärtstrend, der nur durch einmalige Corona-Sondereffekte unterbrochen worden war.
Bildungskredit des Bundesverwaltungsamtes mit Rekordplus
Besonders überraschend ist laut CHE die Entwicklung beim zweitgrößten Anbieter, dem Bildungskredit des Bundesverwaltungsamtes. Dieser verzeichnete 2025 rund 4600 Neuabschlüsse – eine Steigerung um fast 40 Prozent gegenüber 3300 im Vorjahr. „Der Bildungskredit des Bundesverwaltungsamtes ist kein spektakuläres Hochglanzprodukt, sondern ein ziemlich unscheinbares, überschaubares, aber eben auch grundsolides Angebot“, sagt Ulrich Müller, Autor der Auswertung. „Dass der Bildungskredit nach einem Jahrzehnt sinkender Nachfrage diese enormen Steigerungsraten erreicht, ist erstaunlich. Ein wesentlicher Grund dürfte der attraktive Zinssatz sein.“
Der Bildungskredit ermöglicht monatliche Auszahlungen von maximal 300 Euro für höchstens zwei Jahre oder eine Einmalzahlung von bis zu 7200 Euro. Mit einem effektiven Jahreszins von 3,53 Prozent ist er das günstigste bundesweite Angebot. Der KfW-Studienkredit, der monatlich bis zu 650 Euro auszahlt, liegt mit 6,53 Prozent effektiv rund drei Prozentpunkte höher.
KfW-Studienkredit verliert an Bedeutung
Der KfW-Studienkredit kam 2025 auf knapp 8000 Neuverträge, ein Plus von 11 Prozent. Er habe den Markt über viele Jahre geprägt, doch abgesehen von einem kurzen Hoch während der Coronapandemie habe das staatliche Studienfinanzierungsangebot seit einem Jahrzehnt kontinuierlich an Bedeutung verloren, so das CHE. „Der KfW-Studienkredit braucht einen Relaunch. Der Zinssatz ist unattraktiv, die Konditionen sind nicht mehr zeitgemäß, und die maximale Auszahlung müsste angesichts der Inflation Auszahlungen bis 1000 Euro pro Monat ermöglichen“, fordert Müller.
Laut CHE hängt die gestiegene Nachfrage auch mit den Bafög-Konditionen zusammen. Viele Studierende seien aufgrund der aktuellen Kriterien nicht Bafög-berechtigt und suchten nach Alternativen, um Finanzierungslücken zu schließen.
Studienkredite weiterhin Nischenprodukt
Trotz des Anstiegs bleibt die Bedeutung von Studienkrediten im deutschen Studienfinanzierungssystem gering. Aktuell befinden sich rund 30.300 Studierende in der Auszahlungsphase eines Studienkredits, Bildungsfonds oder ähnlichen Angebots – das entspricht 1,1 Prozent aller Studierenden. Ein breites, verlässliches und attraktives staatliches Kreditangebot für alle Studierenden fehle aus Sicht des CHE weiterhin.
Rund 205.000 Personen befinden sich derzeit in der Rückzahlungsphase. Monatlich fließen bundesweit fast 18 Millionen Euro über Studienkredite und Bildungsfonds an Studierende, das jährliche Finanzvolumen liegt bei über 211 Millionen Euro. Im Durchschnitt nehmen Studierende derzeit 543 Euro pro Monat auf.
Für die Auswertung hat das CHE 25 Studienkredite, Studiendarlehen und Bildungsfonds analysiert. Datenbasis sind Selbstauskünfte der Anbieter.



