In den ersten Minuten von „The Invite“ scheint alles normal zu sein: Ein gutaussehendes Paar, ein schickes Apartment, eine Einladung zum Abendessen. Doch schon bald stellt sich heraus, dass dieser Abend kein gewöhnlicher sein wird. Die neue Beziehungskomödie mit Edward Norton und Penélope Cruz stellt die Frage, die der Titel provokant aufwirft: Ist Heteros noch zu helfen?
Ein Dinner, das eskaliert
Norton und Cruz spielen Alex und Maya, ein Langzeitpaar, dessen Beziehung in einer Sackgasse steckt. Um ihrer Liebe neuen Schwung zu verleihen, laden sie drei befreundete Paare zu einem Dinner ein – nicht ahnend, dass diese Zusammenkunft in einem chaotischen Spiel mit stimulierenden Substanzen endet. Was als zivilisierte Runde beginnt, entpuppt sich als Offenbarung unterdrückter Wünsche und unausgesprochener Konflikte.
Die Regie führt Nachwuchsfilmemacherin Elena Morgen, die bereits mit ihrem Debüt „Kleine Freiheiten“ für Aufsehen sorgte. In „The Invite“ kombiniert sie Screwball-Komödie mit Gesellschaftskritik. Das Drehbuch, geschrieben von Morgen und Jens Wiese, nutzt die artifizielle Situation, um Geschlechterklischees und die Haltlosigkeit moderner Beziehungsrituale zu sezieren.
Stimulierende Substanzen als Katalysator
Der Untertitel „Stimulierende Substanzen“ ist wörtlich zu nehmen: Im Film tauchen Pilze, Pulver und Tinkturen auf, die im Laufe des Abends die Hemmungen der Protagonisten senken. Die Drogen dienen nicht nur als Gag, sondern als dramaturgisches Mittel, um Wahrheiten ans Licht zu bringen. So gesteht eine Figur, dass sie die Zweisamkeit ihres Paares erdrückend findet, während eine andere zugibt, sich in den Partner des Gastgebers verliebt zu haben.
Norton und Cruz spielen das zerrüttete Paar mit sichtbarer Spiellust. Norton, bekannt für seine intensiven Rollen, zeigt hier eine komödiantische Leichtigkeit, die man ihm so nicht zugetraut hätte. Cruz wiederum gibt die pragmatische Maya mit einer Mischung aus Erotik und Verzweiflung. Das Zusammenspiel der beiden ist das Herz des Films – auch wenn die Chemie am Anfang etwas hölzern wirkt.
Die Krise der Heterosexualität
Die Titelfrage „Ist Heteros noch zu helfen?“ ist Programm. Der Film zeichnet das Bild einer Paarungsform, die zwischen Tradition und Emanzipation zerrieben wird. Die heterosexuelle Beziehung erscheint als Auslaufmodell, das nur noch mit künstlichen Mitteln am Leben gehalten werden kann. Diese These wird mit satirischem Überschwang vorgetragen, ohne in Bitterkeit abzugleiten. In einer Schlüsselszene sagt Maya: „Wir sind wie ein altes Auto, das nur läuft, wenn man es anschiebt.“
Dabei lässt der Film offen, ob es eine Rettung gibt. Die Drogenzeremonie führt zunächst zu mehr Chaos, dann zu einer kathartischen Aussprache. Am Ende bleibt die Frage im Raum stehen – und der Zuschauer darf entscheiden, ob Heterosexualität noch eine Chance hat. Die Antwort ist vielleicht weniger wichtig als die Einsicht, dass Beziehungen immer Arbeit bedeuten.
Ein Blick auf Zahlen
Die Diskussion, die „The Invite“ anstößt, ist nicht aus der Luft gegriffen. Laut den ersten Ergebnissen des Mikrozensus 2023 identifizieren sich in Deutschland rund 83 Prozent der Erwachsenen als heterosexuell. Dennoch wächst die Zahl der Menschen, die sich als queer, bisexuell oder unentschieden sehen. Der Film greift diesen gesellschaftlichen Wandel auf, ohne ihn zu beantworten. Er tut dies mit einer Leichtigkeit, die selten geworden ist im deutschen Kino.
Fazit: Mutige Unterhaltung
„The Invite“ ist kein perfekter Film. Manche Gags zünden nicht, die Auflösung wirkt etwas konstruiert. Doch die Mischung aus Beziehungskomödie und Gesellschaftssatire ist erfrischend. Die Darsteller, insbesondere Norton und Cruz, tragen den Film mit Charme und Witz. Wer Antworten auf die Titelfrage erwartet, wird enttäuscht – wer sich auf das Chaos des Abends einlässt, bekommt einen unterhaltsamen und nachdenklichen Abend geboten.
Der Film läuft seit dem 31. Juli 2026 in den deutschen Kinos. Ob er das Ende der Heterosexualität einläutet, ist fraglich – dass er über sie zum Lachen bringt, ist sicher.



