Der Weiße Ring fordert von den Berliner Parteien, dass Betroffene von Wohnungseinbrüchen bei Entschädigungsfragen künftig Opfern von Gewalttaten gleichgestellt werden. Der Landesverband der Opferhilfsorganisation hat sich mit einem entsprechenden Schreiben an die politischen Kräfte gewandt. „Betroffene eines Einbruchs sind häufig schwer traumatisiert und leiden unter Angstzuständen“, erklärte der Berliner Landesvorsitzende Rolf Schmachtenberg.
Psychologische Hilfe für Einbruchsopfer gefordert
Nach Ansicht von Schmachtenberg wäre es eine große Erleichterung, wenn Einbruchsopfer ebenfalls die Traumaambulanzen in Berlin nutzen könnten. Dort erhalten Betroffene psychologische Unterstützung; die Kosten für die ersten Stunden trägt das Land Berlin. Bislang steht dieses Angebot nur Opfern von Gewalttaten offen.
Laut Polizeistatistik gab es im vergangenen Jahr in Berlin rund 10.600 Wohnungseinbrüche – ein Anstieg um fast 25 Prozent im Vergleich zu 2024 (8.529 Fälle). Angesichts dieser Entwicklung erhofft sich der Weiße Ring verstärkte politische Unterstützung für die Betroffenen.
Parteien vor der Wahl gefragt
Vor der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 20. September hat der Weiße Ring einen Brief an die Parteien geschickt, um deren Positionen zu verschiedenen Themen der Opferhilfe zu erfragen. Die Parteien werden gebeten, ihre Haltung zu den sogenannten Wahlprüfsteinen bis Ende des Monats darzulegen.
Zu den angesprochenen Punkten gehört unter anderem, welche Maßnahmen die Parteien ergreifen wollen, um Opferentschädigungen schneller zu bearbeiten. Auch die Frage, wie Opfern häuslicher Gewalt rascher geholfen werden kann, steht im Raum.
Der Weiße Ring in Berlin und bundesweit
Der Weiße Ring ist eine bundesweit tätige Organisation, die Menschen nach Straftaten mit Beratung und finanzieller Hilfe unterstützt. Bundesweit engagieren sich rund 3.000 der insgesamt etwa 40.000 Mitglieder ehrenamtlich als Opferberater. In Berlin sind es 140 von rund 1.800 Mitgliedern.
Im vergangenen Jahr erhielten in Berlin 1.664 beratene Opfer von Gewalttaten auch materielle Hilfe (2024: 1.695). In 36 Prozent der Fälle handelte es sich um Hilfe nach Körperverletzungen, in 25,5 Prozent um Sexualdelikte. Daneben wurden auch Opfer von Nachstellungen oder Angehörige von Todesopfern betreut.
Prominenter Fall: Messerattacke am Holocaust-Mahnmal
Zu den bekannten Fällen im Jahr 2025 gehörte die Betreuung des spanischen Touristen, der am 21. Februar 2025 bei einer radikal-islamistisch motivierten Messerattacke am Holocaust-Mahnmal in Berlin lebensgefährlich verletzt worden war. Der Weiße Ring unterstützte das Opfer und seine zwei Begleiter; die Beratung dauert nach Angaben von Schmachtenberg bis heute an.



