Die Wohnungswirtschaft erwartet für das laufende Jahr 2026 einen weiteren Rückgang der Neubautätigkeit in Deutschland. Nach Prognosen des Bundesverbandes deutscher Wohnungs- und Immobilienunternehmen (GdW) dürften nur noch rund 200.000 Wohnungen fertiggestellt werden – bei einem jährlichen Neubaubedarf von etwa 320.000 Einheiten. Bereits 2025 war die Zahl der fertiggestellten Wohnungen mit 206.600 um 18 Prozent (45.400 Einheiten) gegenüber dem Vorjahr gesunken, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Der Abwärtstrend hält nach Einschätzung des GdW aufgrund hoher Bau- und Finanzierungskosten an.
Gemeinnützige Wohnungswirtschaft unter Druck
Besonders besorgniserregend ist die Entwicklung bei den im GdW organisierten, sozialorientierten Wohnungsbaugesellschaften. Diese werden 2026 voraussichtlich nur noch 16.000 Wohnungen fertigstellen, nach 24.000 Einheiten im Jahr 2025. GdW-Präsident Axel Gedaschko warnte: „Wenn selbst unsere Unternehmen, die dauerhaft bezahlbaren Wohnraum schaffen und sichern, den Neubau massiv zurückfahren müssen, dann stimmt das System nicht mehr.“ Der Verband vertritt rund 3.000 Mitgliedsunternehmen mit insgesamt 13 Millionen Mietern.
Investitionsschwerpunkt liegt im Bestand
Ein Grund für den Rückgang ist, dass hohe Investitionen in den Erhalt, Klimaschutz, altersgerechten Umbau und die Digitalisierung des Wohnungsbestands Mittel für den Neubau binden. Im Jahr 2025 investierten die GdW-Unternehmen insgesamt 20,8 Milliarden Euro. Davon flossen 12,7 Milliarden Euro in den Bestand, während die Neubauinvestitionen auf 8,1 Milliarden Euro sanken. Für 2026 erwartet der Verband einen weiteren Einbruch der Neubauinvestitionen um rund 26 Prozent auf nur noch 6 Milliarden Euro.
Kostentreiber: Baupreise und Zinsen
Der GdW macht vor allem die stark gestiegenen Baupreise und Finanzierungskosten für die Misere verantwortlich. Seit Ende 2019 sind die Baupreise im Wohnungsbau um rund 51 Prozent gestiegen, die Zinsen haben sich seit 2021 vervierfacht. Gedaschko beklagte: „Hohe Baupreise, hohe Finanzierungskosten und immer neue Anforderungen machen aus genehmigten Projekten Schubladenprojekte.“ Der Verband fordert daher eine echte „Fast Lane“ für bezahlbaren Wohnungsbau: „Baukosten runter, Verfahren beschleunigen, soziale Unterstützung sichern.“ Zudem müsse der Fokus auf Kosteneffizienz beim Bauen und Sanieren liegen.
Politische Gegenmaßnahmen geplant
Die schwarz-rote Bundesregierung hat bereits Maßnahmen angekündigt, um den Wohnungsbau zu fördern. Im Baurecht wurde ein Vorrang für Wohnungsbau beschlossen, und die Genehmigungsverfahren sollen stark beschleunigt werden. Bauministerin Verena Hubertz (SPD) bereitet zudem den sogenannten Gebäudetyp E vor, einen vereinfachten Baustandard, der die Kosten deutlich senken soll. Allerdings plant Hubertz auch Einsparungen beim Wohngeld, die sich bei Bund und Ländern ab 2027 auf rund 1,5 Milliarden Euro summieren sollen. Gedaschko warnte eindringlich vor diesen Kürzungen: „Wer hier kürzt, riskiert mehr Mietschulden, mehr soziale Härten und mehr Druck in angespannten Quartieren.“
Mietpreise unter Bundesdurchschnitt
Die durchschnittliche Nettokaltmiete der GdW-Wohnungen lag im vergangenen Jahr bei 6,93 Euro pro Quadratmeter – deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 7,76 Euro. Dies unterstreicht die wichtige Rolle der sozialorientierten Wohnungswirtschaft für bezahlbares Wohnen. Der Verband sieht die aktuelle Entwicklung als alarmierend an und fordert ein Umdenken in der Wohnungsbaupolitik, um einen Kollaps des Neubaus zu verhindern.



