Die Bundesnetzagentur hat im ersten Halbjahr 2026 insgesamt 35.728 Beschwerden über Postdienstleister erhalten. Das geht aus der Website der Behörde hervor. Im Vorjahreszeitraum waren es 22.981 Beschwerden gewesen. Die Zahlen sind jedoch laut Netzagentur nicht direkt vergleichbar, da sich die Erfassungsmethodik geändert hat. Der sogenannte Mängelmelder wurde erst im Herbst 2025 eingeführt und ermöglicht Verbrauchern eine einfachere Abgabe ihrer Kritik durch Multiple-Choice-Fragen.
Post kritisiert neues Beschwerdesystem
87 Prozent der Beschwerden richten sich gegen den Marktführer Deutsche Post/DHL. Ein Post-Sprecher argumentiert: „Der neue Mängelmelder bläht die Beschwerdestatistik auf und erweckt den Eindruck, die Postversorgung in Deutschland würde nicht funktionieren. Das ist falsch – im Gegenteil: Die Post in Deutschland funktioniert sehr gut.“ Der Anteil der Beschwerden, die direkt bei der Post eingehen, liege unverändert bei 0,003 Prozent der gesamten Brief- und Paketmenge. Im vergangenen Jahr transportierte die Deutsche Post 13,3 Milliarden Sendungen.
Keine Hotspots mehr – Netzagentur sieht Entspannung
Ein Indiz dafür, dass die höhere Beschwerdezahl kein Zeichen für größere Probleme ist, ist das Fehlen von „Hotspots“. Im ersten Halbjahr 2026 gab es keine einzige Anlassprüfung durch die Netzagentur, während es im Vorjahreszeitraum noch acht waren. Solche Prüfungen werden eingeleitet, wenn aus einer Region gehäuft Beschwerden eingehen. In der Vergangenheit hatte die Post nach solchen Prüfungen mitunter Personalengpässe eingeräumt und Abhilfe versprochen.
Politiker begrüßt niedrigschwelliges System
Der wirtschaftspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Sebastian Roloff, sieht die Entwicklung positiv: „Es ist gut, dass die vorher bestehende Dunkelziffer nun verkleinert wird und die Bundesnetzagentur schneller erkennt, ob es in bestimmten Regionen zu größeren Problemen kommt.“ Er erwarte, dass Mängel schnell und konsequent abgestellt werden. Die Post weist zudem darauf hin, dass viele Beschwerden irrtümlich an sie gerichtet würden: Jährlich landeten 800.000 Fundbriefe von Wettbewerbern in ihren Netzen, die fälschlicherweise der Post zugeschrieben würden.
DPD fällt negativ auf
In der Statistik sticht auch die Paketfirma DPD hervor. Ihr Anteil an allen Beschwerden lag im ersten Halbjahr 2026 bei vier bis fünf Prozent pro Monat. Da DPD nur Pakete transportiert, wäre der Anteil bei Herausrechnung von Briefen deutlich höher. Zum Vergleich: Auf Hermes und GLS entfallen weniger Beschwerden. Ein DPD-Sprecher betonte, die Beschwerden ernst zu nehmen, verwies aber auf einen Rückgang der direkt bei DPD eingehenden Beschwerden von 0,11 Prozent des Sendungsaufkommens 2024 auf 0,09 Prozent 2025. „Bei über 370 Millionen beförderten Paketen pro Jahr zeigt dies, dass die überwiegende Mehrheit unserer Zustellungen zuverlässig und zur Zufriedenheit unserer Kundinnen und Kunden erfolgt.“
Kritik durch TV-Doku
Eine RTL-Doku des investigativen Reporterteams Wallraff hatte DPD zuletzt in ein schlechtes Licht gerückt. Sie beschrieb die Arbeitsbelastung bei Subunternehmern als extrem hoch und als „Knochenjob“. Bei einem Test mit 50 Paketen ging fast die Hälfte kaputt. DPD teilte mit, man überprüfe Hinweise auf Verstöße und beende gegebenenfalls die Zusammenarbeit mit Systempartnern. Zugleich lobte ein Sprecher „das Engagement der vielen tausend Menschen bei DPD und unseren Partnerunternehmen, die jeden Tag verantwortungsvoll arbeiten“.



