EZB-Entscheid: Banken geizen bei Tagesgeld, Festgeldzinsen steigen auf 2,35%
EZB-Entscheid: Banken knausern bei Tagesgeldzinsen

Die Europäische Zentralbank (EZB) gibt heute erneut ihren Zinsentscheid bekannt. Marktbeobachter rechnen mit einer unveränderten Leitzinsrate. Während die Notenbanker den Einlagezins bei 2,25 Prozent belassen dürften, zeigen sich die Banken bei Festgeldzinsen großzügiger als beim Tagesgeld. Eine aktuelle Auswertung des Vergleichsportals Verivox belegt: Die durchschnittlichen Festgeldzinsen liegen in allen Laufzeiten oberhalb des EZB-Einlagezinssatzes.

Festgeldzinsen über dem EZB-Satz

Die Durchschnittszinsen bundesweit verfügbarer Festgeldanlagen mit einjähriger Laufzeit sind seit Anfang März von 2,0 Prozent auf aktuell 2,35 Prozent gestiegen. Bei zweijährigen Anlagen erhöhten sie sich von 2,07 auf 2,44 Prozent, bei zehnjährigen Laufzeiten von 2,51 auf 2,9 Prozent. Damit liegen die durchschnittlichen Festgeldzinsen in allen Kategorien über dem aktuellen EZB-Einlagezinssatz von 2,25 Prozent. Dies bedeutet, dass Banken Festgeldanlegern im Schnitt höhere Zinsen bieten, als sie selbst erhalten, wenn sie Kundengelder bei der EZB parken. Eine solche Entwicklung gab es zuletzt unmittelbar nach dem Ende der Nullzins-Ära im zweiten Halbjahr 2022.

Wettbewerb um Spareinlagen

Oliver Maier, Geschäftsführer der Verivox Finanzvergleich GmbH, erklärt: „Die Banken nutzen Spargelder zur Finanzierung ihres Kreditgeschäfts und verdienen an der Zinsdifferenz. Wenn sie sich das Geld für die Kreditvergabe am Kapitalmarkt besorgen, sind ihre Zinskosten derzeit ebenfalls sehr hoch. Spareinlagen sind für Banken also nach wie vor lukrativ. Entsprechend groß ist der Wettbewerb und das sorgt für attraktive Konditionen.“

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Die Inflation in Deutschland liegt aktuell bei 2,3 Prozent. Damit erzielen durchschnittliche Festgelder unabhängig von der Laufzeit eine leicht positive Realrendite. Für Sparer ist der Realzins – also die tatsächliche Wertentwicklung unter Berücksichtigung der Teuerung – wichtiger als der nominale Zinssatz.

Tagesgeld: Nur wenige Banken geben Zinserhöhung weiter

Anders sieht es beim Tagesgeld aus: Eine deutliche Mehrheit der Banken und Sparkassen hat die jüngste Leitzinserhöhung im Juni nicht an ihre Kunden weitergegeben. Seit dem EZB-Entscheid im Juni haben lediglich 17 Prozent von insgesamt 823 ausgewerteten Instituten ihre Tagesgeldzinsen erhöht – im Schnitt um 0,18 Prozentpunkte. Die Durchschnittszinsen bundesweit verfügbarer Tagesgeldangebote stiegen leicht von 1,33 auf 1,38 Prozent. Das entspricht einem Anstieg von 0,05 Prozentpunkten.

Regionale Geldhäuser zahlen noch niedrigere Zinsen: Sparkassen bieten durchschnittlich 0,41 Prozent, Genossenschaftsbanken wie Volks- und Raiffeisenbanken im Schnitt 0,47 Prozent. Wer bereit ist, Angebote zu vergleichen, kann sich jedoch deutlich höhere Zinsen sichern. Spitzenreiter wie die Chase Bank zahlen Neukunden bis zu 4 Prozent aufs Tagesgeld – allerdings nur für einen begrenzten Zeitraum von wenigen Monaten. Danach greifen deutlich niedrigere Bestandskundenzinsen.

Tipps für Sparer

Sparer, die dauerhaft hohe Zinsen erzielen möchten, müssen regelmäßig die Bank wechseln und neue Tagesgeldkonten mit attraktiven Neukundenkonditionen eröffnen. Wer dies vermeiden will, sollte auf gute Standardkonditionen achten. Unter den deutschen Banken liegt der höchste Bestandskundenzins aktuell bei 2,5 Prozent (Ascory Bank), bei Banken mit Sitz im europäischen Ausland gibt es bis zu 2,6 Prozent (Ferratum).

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